Protest auf dem Neumarkt: Chemnitzer Gastronomen in Existenznot

Chemnitz - Leere Stühle als Protest! Der Neumarkt war am Freitag mit Hunderten Stühlen, Sitzbänken und Sonnenliegen von gut 80 Restaurants, Bars und Cafés übersät (TAG24 berichtete). Mit dieser Aktion forderten mehr als 50 Gastronomen und ihre Mitarbeiter eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds, finanzielle Zuschüsse und schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb.

In Reih und Glied standen Sonnenliegen, Stühle und Sitzbänke von mehr als 80 Gastronomie-Unternehmen.
In Reih und Glied standen Sonnenliegen, Stühle und Sitzbänke von mehr als 80 Gastronomie-Unternehmen.  © Sven Gleisberg

"Die Senkung der Speisen-Mehrwertsteuer auf sieben Prozent bis Juni 2021 ist nur ein Teilerfolg", sagt Henrik Bonesky (41). Sein "Henrics" ist seit 20. März zu. Für Mai plant er eine Mitnahme-Pizzeria am "Uferstrand" als Notlösung. "Ich brauche eine Perspektive. Ware habe ich verschenkt, selbst verbraucht oder weggeworfen. 23 der 25 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Meine Frau verdient momentan gar nichts".

Selbst bei Öffnung mit Zwei-Meter-Abständen würde er nur 50 Prozent verdienen. Er befürchtet persönliche Haftung mit Haus und fehlende Altersvorsorge: "Wir haben viel in das Solidarsystem eingezahlt. Das muss uns jetzt auffangen. Ich will sehen, dass das sinnvoll war".

Auch Groß-Gastronom André Gruhle (45, "Pelzmühle") bangt um die Existenz, zieht Kraft aus den vielen Stühlen: "Wir sind eine große Gemeinschaft. Zeltverleiher, Caterer, Event-Mitarbeiter und Auszubildende sind in Gefahr. Unsere Löhne sind keine Industrielöhne. 60 Prozent Kurzarbeitergeld helfen da wenig. Trinkgelder und Zuschläge sind überlebenswichtig."

"Sauberkeit und Hygiene lernen alle von der Pike auf. Das wäre bei Wiedereröffnung leicht umsetzbar."

Die Gastwirte Henrik Bonesky (41) und André Gruhle (45) verliehen den Forderungen der Chemnitzer Gastronomie Nachdruck.
Die Gastwirte Henrik Bonesky (41) und André Gruhle (45) verliehen den Forderungen der Chemnitzer Gastronomie Nachdruck.  © Sven Gleisberg

Er beschäftigt seine 20 Azubis mit dem Schleifen von Biertischen, Küchen-Reinigung, Biergarten-Pflege. "Sauberkeit und Hygiene lernen alle von der Pike auf. Das wäre bei Wiedereröffnung leicht umsetzbar."

Franziska Luthardt (38) von der Dehoga Sachsen ist auch nach Chemnitz gekommen. "Wir brauchen einen Rettungsschirm für Hotellerie und Gastronomie wie 2018 für die Landwirtschaft. Außerdem Zuschüsse wie in Thüringen und konkreten Zeithorizont".

Sozial-Ministerin Barbara Klepsch (55, CDU) kam auf dem Neumarkt mit Gastronomen ins Gespräch: "Die Branche ist hart getroffen. Der Bund hat 52 Millionen Euro Soforthilfe gezahlt, das Programm 'Sachsen hilft sofort' ist 42 Millionen Euro stark".

Sie unterstützt eine Lockerung nur mit Blick auf die Pandemie-Entwicklung und unter Einhaltung von Hygiene-Anforderungen. 

Titelfoto: Sven Gleisberg

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