OB Ludwig protestiert mit Chemnitzern gegen Kaufhof-Schließung

Chemnitz - Mit einer Menschenkette um das Kaufhof-Gebäude stemmten sich am Freitag Mitarbeiter, Stadträte, Gewerkschaftler und Kunden gegen die geplante Schließung. Auch OB Barbara Ludwig (58, SPD) war bei der halbstündigen Blitz-Aktion dabei. Dann eilte sie weiter zur Gläubigerversammlung. 

Hunderte Menschen versammelten sich um und vor der Galeria Kaufhof, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren.
Hunderte Menschen versammelten sich um und vor der Galeria Kaufhof, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren.  © Uwe Meinhold

Hinter verschlossenen Türen wird dort fieberhaft nach neuen Investoren und Mietern gesucht. Die Schließung soll auch beim Besuch des Kabinetts am Dienstag Gesprächsthema sein. "Es ist noch nicht klar, ob wir eine Chance haben. Ich versuche, Entscheidern die Situation klar zu machen. Mein Ziel bleibt der Erhalt des Kaufhofs", sagt Ludwig.

Gesprächspartner wollte sie nicht nennen. Kontakt zu Kaufhof-Verantwortlichen sei schwierig. Selbst Galeria-Chefin Kathrin Baranowsky (43) ließ sich nicht blicken. 

Die Mitarbeiter liefen wortkarg eine schnelle Runde um den Glas-Block. Es stünden mehr als 140 Stellen auf dem Spiel, weil Shop-in-Shop-Mitarbeiter nicht eingerechnet seien. Reden wolle man nicht.

Ralf Hron (54, DGB) sieht die Entscheidung noch schwebend: "Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn das Käufer-Einzugsgebiet ist Südwestsachsen."

An einer Sammel-Box vor dem Kaufhof-Eingang unterschreiben Chemnitzer für den Erhalt des Einzelhandelsstandortes. Mehr als 3000 Unterschriften sind es schon.
An einer Sammel-Box vor dem Kaufhof-Eingang unterschreiben Chemnitzer für den Erhalt des Einzelhandelsstandortes. Mehr als 3000 Unterschriften sind es schon.  © Uwe Meinhold
Die Kaufhof-Filiale in Chemnitz wurde erst 2001 eröffnet. Die Immobilie in 1A-Lage ist hochmodern, das Kunden-Einzugsgebiet riesig.
Die Kaufhof-Filiale in Chemnitz wurde erst 2001 eröffnet. Die Immobilie in 1A-Lage ist hochmodern, das Kunden-Einzugsgebiet riesig.  © Uwe Meinhold

Krisengipfel mit Händlern, CWE und OB Ludwig

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (58, SPD) setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Kaufhof doch noch zu retten.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (58, SPD) setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Kaufhof doch noch zu retten.  © Uwe Meinhold

Bürgermeister Sven Schulze (48, SPD) ist Stammkunde: "Ich kaufe meine Anzüge hier oder gehe essen. Chemnitz darf sich das nicht gefallen lassen." Susanne Schaper (42, Linke) kauft hier seit 16 Jahren Geburtstagsgeschenke für die Kinder: "Der Kampf lohnt sich. Ich halte zu den Angestellten." Das tut auch Rosita Ley (76): "Wir haben schon genug Arbeitslose. Es muss schnell ein Kompromiss her."

Schon am Donnerstag hatten sich Händler und CWE-Vertreter mit Ludwig zum Krisengipfel getroffen. Über Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. TAG24 erfuhr aber, dass es wohl um die Nachnutzung der Immobilie ging. Ein Teilnehmer: "Die Nutzung als Handelsstandort bleibt im Fokus." Eine Option sei ein Design-Outlet-Center.

Auf mehrfache Anfragen bezüglich Endgültigkeit der Schließungs-Entscheidung und zur Zukunft der Mitarbeiter reagierte Galeria Kaufhof nicht. 

Titelfoto: Uwe Meinhold

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