Uni-Psychologe weiß: Kontaktsperre kann lebensgefährlich sein

Chemnitz - Was machen Kontaktverbot und soziale Isolation mit uns? Stephan Mühlig (59) ist Professor für Klinische Psychologie an der TU Chemnitz. 
Kindern brauchen jetzt besondere Zuwendung - gemeinsames Basteln entspannt. 
Kindern brauchen jetzt besondere Zuwendung - gemeinsames Basteln entspannt.  © 123RF/Oksana Kuzmina

Er beobachtet die Situation als Forscher, spürt sie selbst im Rahmen der Ausgangssperre und versucht, die schlimmsten Folgen für betroffene Chemnitzer abzumildern.

"Anfangs ist die Isolation noch ungewohnt, aufregend. Oft gibt es viel zu organisieren. Nach spätestens drei Wochen wird es richtig schwierig. Dann nehmen Niedergeschlagenheit, Unruhe, Angst und Aggressionen zu", sagt Stephan Mühlig, der selbst seit einer Woche sein Home-Office auf dem Küchentisch ausgebreitet hat. 

"Es gibt nur wenige Studien, zum Beispiel von der NASA. Daher lassen sich die Langzeitfolgen noch nicht genau abschätzen. Zu befürchten ist aber, dass mehr Menschen in Depressionen abgleiten und im schlimmsten Fall die Suizidrate steigt."

Schon jetzt versucht die psychotherapeutische Hochschul-Ambulanz der TU gegenzusteuern. "Wir verdoppeln ab April die Zahl unserer Psychologen auf sechs, die Menschen im Akutfall beraten. Auch eine Telefonhotline ist in Arbeit." 

Die Krisen-Therapie soll von Anfang an online als Video-Chat möglich sein. Die Verhandlungen mit den Krankenkassen laufen noch.

Damit es gar nicht erst zum "Stubenkoller" kommt, rät Professor Mühlig dringend zur Vorbeugung: "Ich habe zehn Empfehlungen für unsere Patienten zusammengestellt, die für jedermann nützlich sind." 

Hier gibt's Hilfe

Wegen der aktuellen psychischen Belastung vieler Menschen durch die Corona-Auswirkungen erweitert die psychotherapeutische Hochschulambulanz der TU Chemnitz ihr Angebot von Telefon- und Video-Beratungen. 

Neue Patienten können sich bereits jetzt anmelden. Das ist dienstags, 10 bis 12 Uhr, und mittwochs, 14 bis 17 Uhr, unter Tel. 0371/24 35 99 40 direkt möglich. Außerhalb dieser Zeiten können Name und Telefonnummer auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Für die Therapie ist kein Überweisungsschein vom Hausarzt notwendig. 

Weitere Informationen gibt es unter: pha-tuc.de

Professor Stephan Mühlig (59) arbeitet derzeit selbst im Home-Office und behandelt auch Patienten per Video-Sitzung. 
Professor Stephan Mühlig (59) arbeitet derzeit selbst im Home-Office und behandelt auch Patienten per Video-Sitzung.  © Steffen Füssel

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Titelfoto: Steffen Füssel

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