Sanierungs-Rückstau: So schlecht steht es um Chemnitzer Teiche

Chemnitz - Das sieht trübe aus! Verschlammt, zugewuchert oder von der Wasserzufuhr abgeschnitten - zwei Drittel der 159 kommunalen Teiche sind laut Umweltamt "in einem ökologisch schlechten, teilweise sehr schlechten Zustand". Das geht aus einem Zustandsbericht hervor, den der Chemnitzer Stadtrat in Auftrag gegeben hatte.

Der Zulauf zum Blaubornteich im Zeisigwald ist kaputt.
Der Zulauf zum Blaubornteich im Zeisigwald ist kaputt.  © Uwe Meinhold

Beispiel Zeisigwald: Das vor mehr als hundert Jahren angelegte Teichsystem entlang des Blaubornbachs wurde über Jahrzehnte vernachlässigt.

"Die kleineren Teiche haben schon gar kein Wasser mehr, weil die Zuflüsse verstopft sind. Im Blaubornteich ist so viel Schlamm, dass die Wassertiefe höchstens noch 30 Zentimeter beträgt", ärgert sich Frank Bihra (70).

Der Chemnitzer möchte nicht nur schimpfen, sondern auch anpacken: "Ich finde engagierte Mitstreiter, die bei der Pflege der Teiche helfen würden. Aber zunächst ist hier schwere Technik nötig."

So wie im Zeisigwald sieht es an der Mehrzahl der städtischen Teiche aus. Laut Naturschutzbehörde besteht für die überwiegende Zahl der Gewässer "dringender Handlungsbedarf".

Voraussetzung für die sukzessive Instandsetzung wäre eine Aufstockung des Budgets.

Verschlammt: Frank Bihra (70) ärgert sich über den Zustand des Blaubornteichs.
Verschlammt: Frank Bihra (70) ärgert sich über den Zustand des Blaubornteichs.  © Uwe Meinhold

Stadträtin fordert: Prioritätenliste für Chemnitzer Teiche

Stadträtin Solveig Kempe (41, CDU) fordert eine Prioritätenliste für die Teichsanierung.
Stadträtin Solveig Kempe (41, CDU) fordert eine Prioritätenliste für die Teichsanierung.  © Uwe Meinhold

Aktuell werden in Chemnitz ein bis drei Teiche pro Jahr teilsaniert. Die ernüchternde Hochrechnung des Umweltamtes: "Würden drei Gewässer im Jahr renaturiert, wären die kommunalen Stillgewässer in 50 Jahren alle bearbeitet."

Um den Sanierungsrückstau mit fünf bis zehn sanierten Teichen pro Jahr abzutragen, wären jährlich rund 300.000 Euro nötig. Stadträtin Solveig Kempe (41, CDU) regt an: "Um Geld möglichst sinnvoll einzusetzen, sollte eine Prioritätenliste erstellt werden."

Eine Rolle könnten dabei auch engagierte Bürger spielen. Die gibt es nicht nur rund um den Zeisigwald: Voriges Jahr erneuerten Grünaer in Eigenleistung die Wasserleitung für einen Teich. Der Knappteich im Yorckgebiet wird seit Jahren von einem Bürgerverein betreut.

Auch in Schönau müht sich ein Verein um die Reparatur des Zinnteiches.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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