Kein Sonntags-Shopping in der Adventszeit! So reagieren Handel, Kirche und Gewerkschaften

Chemnitz - Kein Weihnachtsmarkt, kein volles Einkaufswochenende: Pandemie-Verschärfungen bedeuteten auch das Aus für die verkaufsoffenen Sonntage im Advent.

Weihnachtlicher Einkaufstrubel am gestrigen Samstag im Chemnitz Center. Sonntags muss es zu bleiben.
Weihnachtlicher Einkaufstrubel am gestrigen Samstag im Chemnitz Center. Sonntags muss es zu bleiben.  © Maik Börner

Der Handel gibt einen Einblick in die Misere, Kirche und Gewerkschaft verweisen indes auf Tradition.

"Die Absage schmerzt sehr. Gerade in der aktuellen Situation, in der viele Einzelhandelsunternehmen mit stark rückläufiger Laufkundschaft - in den Innenstädten bis zu 50 Prozent - und zum Teil drastischen Umsatzausfällen zu kämpfen haben, wären zwei bis drei zusätzliche Umsatztage von großer Bedeutung gewesen", so René Glaser (45), Chef des Handelsverbands Sachsen (HVS).

Thomas Stoyke (39), Leiter des Chemnitz Centers (Ringstraße 17), schildert die derzeitige Lage: "Wir verzeichnen bereits so durch Corona ein zweistelliges Minus an Laufkundschaft. Der Einzelhandel kämpft ums Überleben, gerade Textilgeschäfte sind besonders gefährdet."

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Etwa 40 Prozent der Läden im Chemnitz Center verkaufen Bekleidung.

Kirche beruft sich auf Tradition und bietet Widerstand

Spürt den Corona-Verlust und sorgt sich um eine bestimmte Branche: Thomas Stoyke (39) vom Chemnitz Center.
Spürt den Corona-Verlust und sorgt sich um eine bestimmte Branche: Thomas Stoyke (39) vom Chemnitz Center.  © Uwe Meinhold

Das Vita-Center (Wladimir-Sagorski-Straße 22) darf wegen einer Klage der Gewerkschaft Verdi bereits seit Mitte 2019 nicht mehr sonntags öffnen. "Vorher hatten wir pro Sonntag rund 5000 Besucher, ein regulärer Samstag kommt auf 7000 bis 8000 Menschen", zählt Centermanager Sascha Twesten (50).

Gefordert wird Verbindlichkeit. HVS-Chef Glaser: "Die Erhöhung der gesetzlich festgelegten Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage steht nicht zur Diskussion. Unser Ziel ist es, deren rechtssichere Durchführung zu erreichen."

Dagegen gibt es Widerstand. "Für uns ist der Sonntag ein von Gott vorgegebener Tag der Ruhe. Deshalb zählt der Sonntagsschutz zum Selbstverständnis christlicher Kirchen. Darüber hinaus sehen wir den Sonntag als freien Tag auch für die ganze Gesellschaft als notwendig und wichtig an - gerade in Zeiten hoher Arbeitsbelastung", sagt Tabea Köbsch (44), Sprecherin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche.

Weihnachtsstimmung im Chemnitz Center. Weil wegen Corona der Weihnachtsmarkt abgesagt wurde, gibt es 2020 auch keinen verkaufsoffenen Sonntag.
Weihnachtsstimmung im Chemnitz Center. Weil wegen Corona der Weihnachtsmarkt abgesagt wurde, gibt es 2020 auch keinen verkaufsoffenen Sonntag.  © Ralph Kunz
Bereits aussortiert: Weil das Vita-Center zu weit von der Innenstadt weg ist, kann es nicht von Weihnachtsmarkt-Sonntagsöffnungen profitieren.
Bereits aussortiert: Weil das Vita-Center zu weit von der Innenstadt weg ist, kann es nicht von Weihnachtsmarkt-Sonntagsöffnungen profitieren.  © Uwe Meinhold
Wenn schon Sonntagsöffnungen, dann nur zur unmittelbaren Fest-Unterstützung, fordert Gewerkschafter Jörg Lauenroth-Mago (64).
Wenn schon Sonntagsöffnungen, dann nur zur unmittelbaren Fest-Unterstützung, fordert Gewerkschafter Jörg Lauenroth-Mago (64).  © Hendrik Schmidt/dpa-Bildfunk
Kennt die Lage und will rechtlich eindeutige Verbindlichkeiten: Handelsverband-Geschäftsführer René Glaser (45).
Kennt die Lage und will rechtlich eindeutige Verbindlichkeiten: Handelsverband-Geschäftsführer René Glaser (45).  © Holm Helis

Jörg Lauenroth-Mago (64), Verdi-Landesfachbereichsleiter für Handel, stimmt zu. "Der Sonntag ist ein allgemein schützenswertes Kulturgut. Sonntagsöffnungen sollen Feste - wie Weihnachtsmärkte - unterstützen. Aber nicht innenstadtfernen Einkaufscentern Wettbewerbsvorteile verschaffen."

Titelfoto: Maik Börner

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