Vollgas in die Zukunft: Chemnitz soll Wasserstoffzentrum werden

Chemnitz - Wasserstoff-Antriebe könnten zum neuen Wirtschaftsmotor der Region Chemnitz-Zwickau werden. Anschub für dieses Ziel soll ein Strukturkonzept speziell für Wasserstoff-Technologie sein, in dem Westsachsens Forschung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft eingebunden sind. Die Weichen dafür könnten in der Stadtratssitzung am Mittwoch gestellt werden.

Am Modell-Fahrzeug zeigt Thomas von Unwerth (52), wie ein Wasserstoff-Antrieb im Kleinen aussieht. Links ist das Schnittmodell eines Drucktanks, rechts die fünf Schichten einer Brennstoffzelle zu sehen.
Am Modell-Fahrzeug zeigt Thomas von Unwerth (52), wie ein Wasserstoff-Antrieb im Kleinen aussieht. Links ist das Schnittmodell eines Drucktanks, rechts die fünf Schichten einer Brennstoffzelle zu sehen.  © Sven Gleisberg

Den Vorschlag für das ambitionierte Vorhaben liefert eine Beschlussvorlage der CDU-Fraktion. In den Forschungslaboren der TU Chemnitz stößt der Plan auf große Zustimmung. 

Thomas von Unwerth (52), Professor für Alternative Fahrzeugantriebe: "Der Rückenwind aus der Politik käme zur rechten Zeit. Chemnitz könnte zur Keimzelle für die Wasserstoff-Technologie werden und sich als Standort in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal sichern. Wir haben die Kompetenz, hier eine Brennstoffzellen-Produktion aufzubauen. Es gibt die Chance, eines der Wasserstoff-Zentren Europas zu werden, die in den nächsten Jahren entstehen."

Bereits seit 2018 sind Forscher, Zulieferer und Herstellungsbetriebe im Innovationscluster "HZwo" vernetzt. Mitglied ist auch die Chemnitzer Wirtschaftsförderung (CWE). 

Mit dem CDU-Vorschlag soll Chemnitz das Thema Wasserstoff-Technologie im Planungsverband der Region als gemeinsames Projekt einbringen. Dann wären auch Zwickau, Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und der Vogtlandkreis mit im Boot.

Fraktions-Chef Tino Fritzsche hofft auf breite Unterstützung im Stadtrat: "Die Wirtschaft und insbesondere die Zulieferer der Automobilindustrie brauchen gerade jetzt ein Signal, dass Innovationen in diesem Bereich der Weg geebnet wird."

Martin Biak (37) untersucht den elektrischen Widerstand verschiedener Materialien, die für den Einsatz als Bauteil in Brennstoffzellen infrage kommen.
Martin Biak (37) untersucht den elektrischen Widerstand verschiedener Materialien, die für den Einsatz als Bauteil in Brennstoffzellen infrage kommen.  © Sven Gleisberg
Wasserstoff tanken funktioniert ganz einfach - doch Wasserstofftankstellen sind noch rar.
Wasserstoff tanken funktioniert ganz einfach - doch Wasserstofftankstellen sind noch rar.  © imago/Rupert Oberhäuser

TU-Chemnitz-Dienstwagen: Das Auto mit der Brennstoffzelle

Professor Thomas von Unwerth (52) nutzt den Toyota Mirai seit Dezember 2019 als Dienstfahrzeug.
Professor Thomas von Unwerth (52) nutzt den Toyota Mirai seit Dezember 2019 als Dienstfahrzeug.  © Sven Gleisberg

Seit neun Monaten rollt ein mit Wasserstoff betriebener Toyota Mirai als TU-Dienstwagen. "Er lief über 20.000 Kilometer ohne Probleme", freut sich Thomas von Unwerth (52).

Tanken dauert fünf Minuten: Rund fünf Kilogramm Wasserstoff werden mit 700 bar in einem Gasbehälter komprimiert. Ein Kilo reicht für 100 bis 120 Kilometer und liegt mit 9,50 Euro auf dem Niveau der Benzinpreise. 

Ungünstig ist die Anfahrt zum Tanken: Die nächste Wasserstofftankstelle liegt in Meerane. Weil ein Auto mit Brennstoffzellen langsam auf Touren kommt, unterstützt eine kleine Batterie den Motor: "Deshalb sind Wasserstoff-Autos die folgerichtige Weiterentwicklung von reinen Elektrofahrzeugen", so Unwerth.

Toyota weitet die Produktionskapazität für Wasserstoff-Autos 2021 auf 30.000 Stück aus. 

Das Nachfolgemodell soll bereits deutlich günstiger sein als der Mirai, der rund 79.000 Euro kostet.

Titelfoto: imago/Rupert Oberhäuser/Sven Gleisberg

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