Gibt es dieses Jahr Weihnachtsmärkte? Unsicherheit in Chemnitz und im Erzgebirge

Chemnitz - Im Juli ist Hochsaison für die Planung der Weihnachtsmärkte - doch so viele Fragezeichen wie diesmal gab es dabei für Chemnitz und das Erzgebirge noch nie. 

Tassen-Chef Ronny Hofmann (42) kennt die Ängste vieler Händler.
Tassen-Chef Ronny Hofmann (42) kennt die Ängste vieler Händler.  © Ralph Kunz

Auch wenn es deutschlandweit erste Absagen für Weihnachtsmärkte gibt - im Weihnachtsland soll das anders werden: "Wir müssen eine gewisse Hoffnung geben", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) beim Sachsengespräch im smac. "Wir lassen ab 17. Juli bewusst wieder Volksfeste zu, um auch für die Weihnachtsmärkte zu lernen."

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig meint: "Wir probieren das einfach."

Die Unsicherheit nagt trotzdem an den Händlern. Ronny Hofmann (42) kennt als Chef der zentralen Tassen-Spülstation des Chemnitzer Weihnachtsmarktes die Stimmung: "Viele wollen eine verbindliche Aussage und setzen die Stadt unter Druck. Das ist der falsche Weg und führt im Zweifel nur dazu, dass der Markt abgesagt wird - mit einem fatalen Dominoeffekt fürs ganze Erzgebirge."

In Annaberg-Buchholz wird nächste Woche über den Weihnachtsmarkt beraten, weiß Stadtsprecher Matthias Förster (63).
In Annaberg-Buchholz wird nächste Woche über den Weihnachtsmarkt beraten, weiß Stadtsprecher Matthias Förster (63).  © Uwe Meinhold

Auch in Annaberg gibt es noch keine festen Zusagen

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (58, SPD) sieht das Weindorf als Testlauf für den Weihnachtsmarkt.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (58, SPD) sieht das Weindorf als Testlauf für den Weihnachtsmarkt.  © Kirstin Schmidt

Schausteller Rico Illgen befürchtet die Absage aus einem anderen Grund: "Sollten die Märkte verkleinert werden müssen und Händler deshalb rausfliegen, könnte das eine Klagewelle auslösen."

Auch in Annaberg haben Händler noch keine feste Zusage: "Die werden wir in diesem Jahr erst Anfang September vergeben", so Stadtsprecher Matthias Förster (63). Die Verträge werden zudem eine "Klausel enthalten, wonach die Stadt aus der Haftung genommen wird, wenn Corona bedingte Einschränkungen erforderlich werden."

Seiffens Bürgermeister Martin Wittig (46) plant: "Je nach Infektionsgeschehen könnte es beispielsweise Zugangsbeschränkungen an den Eingängen geben."

Der stimmungsvolle Annaberger Weihnachtsmarkt zählt zu den beliebtesten im Erzgebirge.
Der stimmungsvolle Annaberger Weihnachtsmarkt zählt zu den beliebtesten im Erzgebirge.  © PR
Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt soll auch dieses Jahr stattfinden.
Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt soll auch dieses Jahr stattfinden.  © Uwe Meinhold

Schausteller: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

Schausteller Rico Illgen (43) und Tim Schanze (37) reisen heute zur Demo nach Berlin.
Schausteller Rico Illgen (43) und Tim Schanze (37) reisen heute zur Demo nach Berlin.  © Maik Börner

Rund 50 Schausteller aus der Region machen sich am Donnerstag auf den Weg nach Berlin zur großen Branchen-Demo.

Rico Illgen (43) vom Mittelsächsischen Schaustellerverband: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Viele Kollegen konnten sich aufgrund fehlender Einnahmen dieses Jahr den TÜV für ihre Fahrgeschäfte nicht leisten. Das kostet schnell bis zu 7000 Euro. Das jetzt für eine kleine Kirmes nachzuholen, rechnet sich nicht."

Die Schausteller hoffen weiter auf einen Rettungsschirm, der ihnen das Überleben bis zur nächsten Saison ermöglicht.

"Wenn wir wieder nicht gehört werden, kommen beim nächsten Mal die Schausteller aus ganz Europa nach Berlin", so Illgen.

Titelfoto: Uwe Meinhold, Kirstin Schmidt

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