Chemnitz: Hitze und Corona verhageln Weindorf-Bilanz

Chemnitz - Erst kam Corona, dann die Hitze. Dieses Jahr war nicht einfach für die Händler auf dem Chemnitzer Weindorf. Nur halb so viele Gäste, deutlich weniger Einnahmen - vor dem letzten Wochenende fällt die Bilanz ernüchternd aus.

Nancy Enzian, auch bekannt als "Brezel-Gabi", hat in diesem Jahr deutlich weniger verkauft.
Nancy Enzian, auch bekannt als "Brezel-Gabi", hat in diesem Jahr deutlich weniger verkauft.  © Ralph Kunz

"Ich würde mir wünschen: Corona weg und alles wieder so, wie es war" sagt Gerald Uhlig (63) vom Wein & Sekthaus Dr. Lieser aus Traben-Trarbach an der Mosel. Im Vergleich zu den Vorjahren machte er nur halb so viel Umsatz. "Man muss sich wundern, dass die Gäste bei der Hitze noch kommen und Alkohol trinken. Das zeigt: Der Bedarf ist da."

Brezel-Verkäuferin Nancy Enzian konnte dem Sommerwetter nichts Gutes abgewinnen. "Es ist zu heiß. Die Leute kriegen keinen Hunger und halten sich ewig an einem Glas fest."

Für sie lohnte sich die Veranstaltung ebenfalls finanziell nicht. "Jeder hatte letztes Jahr einen Kuchen für sich. Dieses Jahr haben wir einen Kuchen und jeder kriegt ein Stückchen. Ich gehe hier definitiv mit Null raus." Ihr Wunsch für 2021: "Zaun weg."

Gerald Uhlig (63) hofft, dass das Weindorf nächstes Jahr wieder unter normalen Bedingungen stattfindet.
Gerald Uhlig (63) hofft, dass das Weindorf nächstes Jahr wieder unter normalen Bedingungen stattfindet.  © Ralph Kunz
Benjamin Zschage (31), Oliver Fischer (29), Sophia Kurz (27) und Tina Beitlich (30, v.l.) genießen den Abend auf dem Markt.
Benjamin Zschage (31), Oliver Fischer (29), Sophia Kurz (27) und Tina Beitlich (30, v.l.) genießen den Abend auf dem Markt.  © Ralph Kunz

Olaf Pietzsch (58) vom Weingut Hoflößnitz aus Radebeul war wiederum positiv überrascht. "Es war niveauvoller für die Gäste. Hoffentlich gibt es nächstes Jahr mehr Plätze und die restlichen Winzer sind wieder dabei."

Auch für Veranstalterin Christin Hultsch (32) war das Weindorf dennoch ein Erfolg. "Am Sonntag werde ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge dastehen." Sie könne sich vorstellen, das Reservierungssystem zumindest teilweise beizubehalten. "Die Pläne erarbeiten wir gerade."

Das Buchungsverfahren kam nicht bei allen Besuchern gut an. "Wir waren davon nicht begeistert", urteilen Carola und Michael Münnich (60).

Tina Beitlich (30) hingegen sagt: "Die Sitzplatzgarantie fand ich gut."

So sieht's beim Parksommer aus

Der Parksommer 2020 war trotz Corona-Beschränkungen gut besucht. Etwa 15.000 Gäste kamen zu Konzerten, Yoga-Events und Poetry-Slams.
Der Parksommer 2020 war trotz Corona-Beschränkungen gut besucht. Etwa 15.000 Gäste kamen zu Konzerten, Yoga-Events und Poetry-Slams.  © Kristin Schmidt

Der Parksommer neigt sich dem Ende zu. Singer-Songwriter am Samstag und die Women's Night am Sonntag bilden den Abschluss. Der Veranstalter C³ zieht eine positive Bilanz. Bisher kamen 13.500 Festival-Gäste, mindestens 15.000 sind angestrebt. 2019 waren es insgesamt 18.000.

"Viele Künstler waren dankbar, nach dem kulturellen Lockdown wieder live vor Publikum auftreten zu können", sagt Yvonne Buchheim (42) von C³. Besucherzahlen seien mit dem Vorjahr schwierig zu vergleichen, weil nicht mehr als 750 Gäste das umzäunte Gelände betreten durften.

Die Eröffnung sahen 650 Musikliebhaber, 2019 waren es 4300. Das erkläre die Differenz. Der Poetry-Slam war ausgelastet, auch Yoga-Events zogen. Die Bookings blieben unangetastet.

Yvonne Buchheim schaut nach vorne: "Am 5. September kommt das Studio W.M. mit der Musical-Gala in die Stadthalle. Die Großveranstaltung im Saal ist für 1500 Gäste mit Mund-Nasenschutz genehmigt." Tournee-Auftritte blieben schwierig, von Normalbetrieb sei keine Rede.

Ab 1. September gelten für Groß-Events neue Regeln.

Titelfoto: Ralph Kunz

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