Chemnitz will seine Bäume retten: Der trockene Sommer ist Gift für Linde, Pappel und Co.

Chemnitz - Vor zwei Wochen war Sachsen mit Rekord-Temperaturen von bis zu 39,2 Grad in Dresden der Hitzekessel Deutschlands. Das macht auch Pflanzen und vor allem Bäumen zu schaffen: In Chemnitz starben in den letzten Jahren tausende Bäume wegen Hitze und Trockenheit.

Uwe Grüner ist Mitglied bei "Parents for Future" Chemnitz.
Uwe Grüner ist Mitglied bei "Parents for Future" Chemnitz.  © Maik Börner

Klimaerwärmung ist in Chemnitz traurige Realität. "Jeder zweite Baum geht ein. Und es dauert Jahrzehnte, bis nachgepflanzte Bäume so viel CO² speichern können wie große gefällte und eingegangene", sagt Uwe Grüner von "Parents for Future". Pflanzen wandeln das Treibhausgas Kohlendioxid (CO²) in Sauerstoff um.

Allein in den letzten Jahren - 2017 bis 2020 war eine handfeste Dürreperiode - starben in Chemnitz mehr als 3000 der rund 33.000 Straßenbäume. Zum Not-Bewässern musste auch schon mal die Feuerwehr ausrücken.

Das Grünflächenamt versucht, den noch lebenden Bestand zu retten. Dafür setzt es in recht versiegelten Stadtteilen wie auf dem Kaß- und Sonnenberg Bewässerungssäcke ein.

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Die Behälter am Baumstamm lassen Wasser langsam im nahen Boden versickern, sodass Wurzeln über mehrere Tage mit dem lebenswichtigen Nass versorgt sind. Zudem wurden im Frühling rund 400 neue Bäume gesetzt.

Ein junger Baum mit Bewässerungsack in der Lessingstraße auf dem Sonnenberg. Gerade im versiegelten Raum ist Zusatz-Nässe wichtig.
Ein junger Baum mit Bewässerungsack in der Lessingstraße auf dem Sonnenberg. Gerade im versiegelten Raum ist Zusatz-Nässe wichtig.  © Maik Börner

Wenig Harmonie zwischen engagierten Bürgern und der Stadt

Städtische Mitarbeiter gießen Bäume im Dresdner Alaunpark. Die Rekordhitze hat auch hier Spuren hinterlassen.
Städtische Mitarbeiter gießen Bäume im Dresdner Alaunpark. Die Rekordhitze hat auch hier Spuren hinterlassen.  © Amac Garbe

Zwischen engagierten Bürgern und der Chemnitzer Stadtverwaltung scheint es derzeit aber wenig Harmonie zu geben. Laut "Parents for future"-Angaben reduzierten sich wegen unterschiedlichen Gieß-Vorstellungen die Baumpatenschaften von über 100 im letzten Jahr auf derzeit etwa 30. Neben dem Bewässern kümmern sich Baumpaten auch um Unkraut- und Abfallentfernung.

In der Landeshauptstadt funktioniert indes die Kooperation. Am 23. Juni bekamen die Dresdner Stadtteile Blasewitz und Pieschen zwei 1000-Liter-Wassercontainer. Dort können Anwohner ihre Gießkannen zum Nässen der umliegenden Straßenbäume auffüllen.

"Die Rückmeldungen durch die Gießteams nach der ersten Woche zeigen, dass die Container gut angenommen werden. Die Nachfüllung durch das Amt für Stadtgrün erfolgt zügig und unbürokratisch, entweder selbstständig oder per Anruf", freut sich Louise Hummel-Schröter (37) von der Ideen-gebenden Initiative "Dresden gießt".

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Alle Infos rund um das Projekt "Parents for Future" findet ihr unter folgender Adresse: https://parentsforfuture.de.

Titelfoto: Maik Börner

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