Nach Klier-Pleite geht die Angst um: Chemnitzer Studios bangen um Existenz

Chemnitz - Klier, Deutschlands größte Kaufhaus-Friseurkette, ist pleite. Medienberichten zufolge soll von den rund 1400 Salons in Deutschland ein Drittel schließen - in Chemnitz gibt es sechs Filialen. "Spekulationen", so eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von TAG24. Wie ernst die Lage angesichts der Klier-Insolvenz ist, wissen Chemnitzer Betroffene aus eigener Erfahrung.

Friedrich Benzler (40) musste seinen Tattoo-Laden wegen des Lockdowns schließen.
Friedrich Benzler (40) musste seinen Tattoo-Laden wegen des Lockdowns schließen.  © Peter Zschage

57 Tattoo-, 90 Nagel- und 130 Kosmetikstudios in Chemnitz sind bei der Industrie- und Handelskammer verzeichnet. Diese befinden sich bereits im zweiten Lockdown - der nun auch noch in die Verlängerung geht.

"Es ist eine Katastrophe", sagt Dina Chiper (47). Die Inhaberin des Nagel- und Kosmetikstudios musste lange auf staatliche Hilfe warten. "In der Tat sind die Novemberhilfen erst seit dem 25. November abrufbar", erklärt IHK-Sprecherin Dr. Kerstin Küpperbusch.

Friedrich Benzler (40), Besitzer von Benten Tattoo, unterstreicht die hohen Hygienestandards, die Tattoostudios einhalten müssen - schon vor der Krise:

"Wir haben mit Blut zu tun und müssen grundsätzlich davon ausgehen, dass unsere Kunden Krankheiten haben könnten." Dennoch: "Friseure sind systemrelevant. Tattoos sind Luxus."

Dina Chiper (47) musste lange auf die staatlichen Novemberhilfen warten. Diese sind erst seit vergangenem Mittwoch abrufbar.
Dina Chiper (47) musste lange auf die staatlichen Novemberhilfen warten. Diese sind erst seit vergangenem Mittwoch abrufbar.  © Uwe Meinhold

Umsatzausfälle bis 10.000 Euro

Claudia Schubert (41) gehen wichtige Einnahmen flöten. Auch in der Kosmetikbranche sind November und Dezember die umsatzstärksten Monate.
Claudia Schubert (41) gehen wichtige Einnahmen flöten. Auch in der Kosmetikbranche sind November und Dezember die umsatzstärksten Monate.  © Uwe Meinhold

Andrea Albrecht von Fußnote Albrecht darf ihre medizinischen Fußbehandlungen weiter durchführen. Der Kosmetikbetrieb ist aber stillgelegt. "Ein Drittel der Einnahmen fällt auf jeden Fall weg."

Claudia Schubert (41), Inhaberin vom Kontur Kosmetikstudio, weist darauf hin, dass auch in ihrer Branche November und Dezember die umsatzstärksten Monate seien.

"Es gibt zwar Online-Gutscheine, und wir versenden unsere Produkte, aber das kompensiert in keinster Weise unsere Ausfälle."

IHK-Sprecherin Küpperbusch schätzt die Umsatzausfälle auf 4000 bis 10.000 Euro - je nach Betriebsgröße.

Ob und wie es mit den sechs Klier-Friseursalons in Chemnitz weitergeht, ist derzeit unklar. Das Unternehmen befand sich bereits seit September im Schutzschirm-Verfahren.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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