Chemnitzer Professor sieht Grundeinkommen-Studie kritisch

Chemnitz - Wie verändert sich das Leben von Menschen, wenn diese jeden Monat 1200 Euro bekommen? Diese Frage soll eine "Grundeinkommen-Studie" beantworten (TAG24 berichtete). Nun äußert sich der Chemnitzer Soziologe Prof. Dr. Markus Hertwig zum Projekt.

Prof. Dr. Markus Hertwig von der TU Chemnitz äußert sich kritisch zur "Grundeinkommen-Studie".
Prof. Dr. Markus Hertwig von der TU Chemnitz äußert sich kritisch zur "Grundeinkommen-Studie".  © privat/Jacob Müller

120 Teilnehmer sollen ab Frühjahr 2021 monatlich für drei Jahre lang 1200 Euro ausgezahlt bekommen. Und das bedingungslos, egal ob bedürftig oder nicht.

Doch nun hagelt es Kritik! Prof. Dr. Markus Hertwig von der Professur Soziologie der TU Chemnitz findet es zwar prinzipiell richtig, das Grundeinkommen zu untersuchen, sieht die aktuelle Studie allerdings kritisch. 

"Es ist fraglich, wie mit der viel zu kleinen Untersuchungs-Gruppe aus 120 Personen auch nur einigermaßen verlässliche Aussagen über verschiedene gesellschaftliche Schichten, Milieus usw. getroffen werden sollen", so der Hertwig.

Auch grundsätzlich sieht der Professor ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland kritisch. Viel mehr müsse es im Niedriglohnsektor vernünftige gesetzliche Regulierungen und Modelle zur sozialen Absicherung geben. 

Ein Argument für das bedingungslose Grundeinkommen ist immer wieder die individuelle Freiheit und mehr Innovationen. "Diese sollen – etwas zugespitzt – zum Beispiel dazu führen, dass Deutschland eigene Steve Jobs oder Jeff Bezos hervorbringt. Allerdings ist auch hier zweifelhaft, ob diese vage Aussicht ein derartiges Projekt rechtfertigt", so der Professor. 

Generell würden sich auch Gerechtigkeitsfragen stellen: "So ist der Bevölkerung kaum zu vermitteln, aus welchem Grund Gutverdienende noch ein Extra-Einkommen erhalten sollen", fügt Hertwig hinzu.

120 Teilnehmer bekommen im Rahmen der neuen "Grundeinkommen-Studie" ab Frühjahr 2021 monatlich für drei Jahre lang 1200 Euro (Symbolbild).
120 Teilnehmer bekommen im Rahmen der neuen "Grundeinkommen-Studie" ab Frühjahr 2021 monatlich für drei Jahre lang 1200 Euro (Symbolbild).  © 123RF/Sergey Fedoskin

Geleitet wird die "Grundeinkommen-Studie" von der Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dem Verein "Mein Grundeinkommen", von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität zu Köln. Finanziert wird das Projekt über Spenden.

Sobald sich eine Million Personen beworben haben, startet das Auswahl- und Auslosungsprozess. Die Forscher wollen anschließend durch regelmäßige Befragungen herausfinden, wie sich der Alltag der Teilnehmer durch das bedingungslose Grundeinkommen verändert.

Titelfoto: privat/Jacob Müller/123RF/Sergey Fedoskin

Mehr zum Thema Chemnitz:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0