Chemnitz - Dem Chemnitzer Stadtrat liegt ein Maßnahmenpaket zur Kostendämpfung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor. Ende Mai soll darüber abgestimmt werden. Damit sollen knapp 2,9 Millionen Euro im Jahr eingespart werden. Der Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland lehnt dies strikt ab.
"Der öffentliche Nahverkehr ist kein beliebig kürzbares Angebot, sondern Teil der kommunalen Daseinsvorsorge", erklärt Markus Haubold, Vorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN Mitteldeutschland.
Der ÖPNV müsse für alle Menschen jederzeit nutzbar sein – auch für Beschäftigte im Schichtdienst und für den Freizeitverkehr in den Abend- und Nachtstunden.
Die Stadt begründet die Entscheidung der drastischen Sparmaßnahmen mit stark gestiegenen Kosten bei der CVAG: etwa für Energie, Personal und Fahrzeuge.
Dem setzt der Fahrgastverband eine deutlich zunehmende Nutzung des ÖPNV entgegen: Die Fahrgastzahlen sind zuletzt erheblich gestiegen.
"Es ist schlicht nicht akzeptabel, bei steigender Nachfrage das Angebot zu kürzen", so Haubold weiter. "Wer Menschen für den Umstieg auf Bus und Bahn gewinnen will, darf das System nicht gleichzeitig unattraktiver machen."
Besonders kritisch sieht der Verband die zeitlichen Einschränkungen des Tagliniennetzes in den Tagesrandlagen, um stattdessen die Betriebszeit der Nachtlinien auszuweiten. So soll unter anderem im Ortsteil Euba die bisherige Verdichtung auf einen 30-Minuten-Takt wieder zurückgenommen werden. Der Nachtverkehr soll samstags in Chemnitz bis 5.45 Uhr, an Sonn- und Feiertagen sogar bis 7.45 Uhr erweitert werden.
"Eine solche Verschiebung darf nicht zulasten der Erreichbarkeit in den Abendstunden gehen", stellt PRO BAHN klar.
ALiTa-Angebote keine Alternative: Spontane Fahrten wären dann nicht möglich
Dabei erinnert PRO BAHN auch an den Nahverkehrsplan, laut dem bereits seit Jahren zwei zusätzliche Nachtlinien vorgesehen sind. Bis heute wurde keine von ihnen umgesetzt. Konkret handelt es sich um die Linien N19, N20 sowie eine Anpassung der Linie N16.
Des Weiteren äußert sich Haubold auch kritisch gegenüber den vorgesehenen Maßnahmen zur Verringerung von Fahrten in Schwachlastzeiten. Diese würde dazu führen, dass zahlreiche Linien täglich bis zu sechs Stunden weniger verkehren als bisher.
Als Ersatz werden von der Stadt die ALiTa-Angebote vorgesehen. Aber auch das ist laut Fahrgastverband unzureichend. Bei einem System, das man mindestens 30 Minuten im Voraus telefonisch bestellen muss, sei für spontane Fahrten schlicht ungeeignet.
Abschließend richtet der Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland einen dringenden Appell an die Mitglieder des Stadtrates: "Statt Kürzungen braucht Chemnitz ein verlässliches, ausgebautes und zukunftsfähiges ÖPNV-Angebot. Der ÖPNV ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – und diese darf nicht kaputtgespart werden."
Der nächste Chemnitzer Stadtrat, bei dem auch über das Maßnahmenpaket abgestimmt werden soll, findet am 27. Mai statt.