Krankentagegeld als Startkapital verprasst! Chemnitzer zockte seine Versicherung ab

Chemnitz - Viele Arbeitnehmer holen sich gern mal einen Krankenschein, um sich - nett formuliert - eine "Auszeit" zu gönnen. Bei Marcel H. (40) war es etwas anders. Er reichte Krankmeldungen ein - ging aber trotzdem arbeiten! Seine Krankenversicherung betrog er so um mehr als 25.000 Euro. Fast wäre er für diesen Betrug auch hinter Gitter gewandert .

In 20 Fällen meldete sich Marcel H. (40) bei seiner Krankentagegeldversicherung im Zeitraum von sechs Jahren krank. (Symbolbild)
In 20 Fällen meldete sich Marcel H. (40) bei seiner Krankentagegeldversicherung im Zeitraum von sechs Jahren krank. (Symbolbild)  © picture alliance/Zoonar

Reumütig trat Marcel H. vor die Richterin am Amtsgericht Chemnitz. Statt faule Ausreden zu liefern, sprach er Tacheles: "Ich räume alles ein." In 20 Fällen meldete er sich bei seiner Krankentagegeldversicherung im Zeitraum von sechs Jahren krank.

Dabei sprang ein nettes Sümmchen heraus, das mittlerweile komplett verprasst wurde. Im ersten Job ging H. als Vorarbeiter bundesweit auf Montagen. Später machte er sich mit einer Werbeagentur selbstständig. "40.000 Euro flossen allein in Drohnen. Das Geld, das ich bekommen habe, diente quasi als Startkapital."

Schuld an dem Betrug sei auch sein Arbeitseifer. "Ich konnte nie Nein sagen, habe immer 150 Prozent gegeben." Irgendwann sei er in einem "Rad drin" gewesen und die Betrügereien seien ausgeartet. Heute habe er etwa 60.000 Euro Schulden. Auch aus anderen Betrugstaten bestehen noch offene Forderungen.

Marcel H. (40) stockte sein Einkommen jahrelang mit Zahlungen von seiner Krankenversicherung auf.
Marcel H. (40) stockte sein Einkommen jahrelang mit Zahlungen von seiner Krankenversicherung auf.  © Haertelpress/Harry Härtel

Trotz einschlägiger Vorstrafen muss Marcel H. nicht in den Knast, weil er Reue zeigte und er zwei Jahre keine Straftaten begangen hat. Urteil: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung (drei Jahre Bewährungszeit) und 600 Arbeitsstunden.

Titelfoto: picture alliance / Zoonar, Haertelpress/Harry Härtel

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