Sie schlachtete Dutzende BMWs aus: Mammut-Prozess gegen Autobande

Chemnitz - So voll ist der Sitzungssaal 036 im Landgericht Chemnitz selten: Fünf Belarussen, ein Litauer und ein Ukrainer (zwischen 25 und 38 Jahre alt) müssen sich wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Bundesweit sollen sie Dutzende Luxus-BMWs, vor allem die Modelle X5 und X6, geklaut und in einer Lagerhalle in Mittelsachsen "geschlachtet" haben. Ziel: Der Verkauf der hochwertigen Autoteile in Osteuropa.

Besonders teure SUVs von BMW, die sich Schlüssellos öffnen lassen, hatten die Täter im Visier
Besonders teure SUVs von BMW, die sich Schlüssellos öffnen lassen, hatten die Täter im Visier  © Polizei

14 Vollzugsbeamte brachten die allesamt in U-Haft sitzenden Angeklagten in den Saal. Sie werden von insgesamt 13 Anwälten vertreten.

Einlassen wollte sich keiner der Männer, die in ihrer Heimat größtenteils als Elektriker sowie Bus- und Brummi-Fahrer tätig sind.

Glaubt man der Staatsanwaltschaft, sind die Osteuropäer nebenberuflich Profi-Diebe und -Hehler. In der Anklage stehen 19 Diebstähle und ein Versuch, die unter anderem in Niedersachsen, Sachsen, Thüringen und NRW stattgefunden haben sollen. Stehlschaden: weit über 800.000 Euro.

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Im Frühjahr 2020 sollen sie mit weiteren Komplizen eine Lagerhalle in Heyda bei Döbeln angemietet haben. Dort wurden die gestohlenen BMWs zerlegt.

"Tatsächlich gehen wir von mindestens 40 Fahrzeugen aus", so Staatsanwalt Christian Seifert.

Für die sieben Osteuropäer und ihre 13 Anwälte müssen zwei Anklagebänke her.
Für die sieben Osteuropäer und ihre 13 Anwälte müssen zwei Anklagebänke her.  © Harry Härtel/Haertelpress
In der Lagerhalle fanden Ermittler Kennzeichen aus allen Ecken Deutschlands.
In der Lagerhalle fanden Ermittler Kennzeichen aus allen Ecken Deutschlands.  © Polizei

Bis zum 8. Dezember sind neun weitere Verhandlungstage angesetzt

Die Karosserien wurden in ihre Einzelteile zerlegt.
Die Karosserien wurden in ihre Einzelteile zerlegt.  © Polizei

Die Gruppe soll mit Kurierfahrern, Öffnungstechnikern, Schraubern und Fahrzeugdieben sehr gut organisiert gewesen sein. In allen Fällen wurde das Keyless-Go-System der Autos mit einer Funkverlängerung ausgetrickst.

Bei den Diebstählen wurden sogar BMW-Ortungssysteme gekappt und Stahlschwämme zur Lärmminderung am Auspuff verwendet. In der Halle fanden Ermittler zahlreiche Beweise wie zum Abtransport vorbereitete Paletten mit Ersatzteilen, Kennzeichen und Privatgegenstände der Besitzer.

Nicht immer klappte der BMW-Klau geräuschlos. Als sich Beamte bei Bad Helmstedt (Niedersachsen) an die Fersen der Diebe hefteten, gaben sie Gas. Eine Verfolgungsjagd mit über 200 Sachen endete mit dem Zusammenstoß zweier Polizeiwagen.

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Nach aufwendigen Ermittlungen konnten im Mai drei Männer in der Lagerhalle festgenommen werden. Zeitgleich stoppten Zivilfahnder in unmittelbarer Nähe zwei Autos mit drei weiteren Verdächtigen - wieder klickten die Handschellen. Bis zum 8. Dezember sind neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

Titelfoto: Fotomontage: Harry Härtel/Haertelpress, Polizei

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