Denkmal-Ärger um Chemnitzer Südbahnof: Bahn vernichtet historische Treppe

Chemnitz - Die Retter des Chemnitz-Viadukts legen sich wieder mit der Deutschen Bahn an: Der Verein kämpft gegen neuen Denkmal-Frevel, der sich bald am Südbahnhof vollziehen soll.

Der Viadukt-Verein legt sich erneut mit der Deutschen Bahn an. Thomas Hormes (70) wehrt sich gegen eine Verunstaltung des Südbahnhofs.
Der Viadukt-Verein legt sich erneut mit der Deutschen Bahn an. Thomas Hormes (70) wehrt sich gegen eine Verunstaltung des Südbahnhofs.  © Kristin Schmidt

Die Bahn plant im Zuge der Bauarbeiten am Chemnitzer Bahnbogen, den historischen Treppenaufgang in der Südbahnstraße und angrenzende Räume mit Beton zu verfüllen, danach Türen und Fenster als Attrappen aufzumalen.

"Das hat mit Denkmalschutz nichts zu tun", kritisiert Thomas Hormes (70), Vertreter des Vereins "Viadukt e.V.", der vorigen Herbst bei einem Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn und der Stadt für den Erhalt der Räume warb.

"Es geht nicht darum, nostalgisch an etwas Altem festzuhalten. Die Räume wären als Club oder Gaststätte eine Bereicherung für das Stadtviertel. Durch die Nähe zur Uni entwickelt sich hier viel Neues", so Hormes.

Anfang des Jahres präsentierte der Projektverantwortliche der Bahn tatsächlich einen Vorschlag für den Erhalt der Räume und des Treppenaufgangs. 

Hormes: "Die Stadt erklärte sich zudem bereit, die Räume anzumieten, bis es einen neuen Nutzer gibt. Wir waren optimistisch, dass dies eine gute Lösung für alle ist."

Wegen Corona fehlen angeblich die Mittel für den Erhalt

An der Reichenhainer Straße soll ein neuer Eingang zum Südbahnhof entstehen.
An der Reichenhainer Straße soll ein neuer Eingang zum Südbahnhof entstehen.  © Kristin Schmidt

Doch es kam anders: Nach Querelen um Zuständigkeiten und mangelnder Kommunikation erhielt der Verein jüngst die Auskunft, dass aus den Plänen nichts wird.

"Der Bevollmächtigte der Deutschen Bahn für die Region Südost teilte mit, dass es wegen der coronabedingten finanziellen Situation keine Mittel für den Erhalt der Räume gäbe", so Hormes.

Auf TAG24-Anfrage begründete eine Sprecherin die Absage so: "Es fehlt ein Konzept eines potenziellen Betreibers. Eine Planänderung ist aufgrund des Baufortschrittes nicht mehr möglich."

Der Bitte des Vereins nach mehr Transparenz über Kosten der Beton-Verfüllung gegenüber einem Erhalt und möglichen Mieteinnahmen kam die Deutsche Bahn nicht nach. 

Auch gegenüber TAG24 hieß es: "Die Frage kann im Nachhinein nicht mehr beantwortet werden." 

Titelfoto: Kristin Schmidt

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