Ende der Florena-Tradition: Ururenkel des Firmengründers ist verbittert über den Wegzug

Waldheim - Nach 170 Jahren wird in Waldheim im kommenden Jahr die Tradition der Seifenmacherei enden. Den Ururenkel von Firmengründer Adolf Heinrich August Bergmann (1799-1858) macht der Wegzug des Florena-Werkes zutiefst traurig. Für Albrecht Bergmann (82) geht ein Stück Heimat.

Der bisherige Produktionsstandort in Waldheim wurde bereits an einen Immobilienentwickler verkauft.
Der bisherige Produktionsstandort in Waldheim wurde bereits an einen Immobilienentwickler verkauft.  © Kristin Schmidt

„Florena und Waldheim - das ist doch eine Einheit, Generationen ganzer Familien haben hier gearbeitet“, sagt er und schaut über seine Heimatstadt. Sein Ururgroßvater Adolf Heinrich August legte 1852 mit der Gründung der Waldheimer Parfümerie- und Toilettenseifenfabrik den Grundstein der Tradition.

Von der Zahn- bis zur Haarseife wurde in Waldheim alles produziert, was im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Körperpflege benötigt wurde. Im Katalog von 1897 sind mehr als 800 verschiedene Produkte aufgeführt.

Die Marke Florena selbst erblickte erst 1920 mit der Eintragung im Reichspatentamt als Name für ein Talkum-Puder das Licht der Welt. In den Jahrzehnten darauf steht sie für die in alle Welt exportierte Waldheimer Drogerieartikel. Doch Ende nächsten Jahres ist Schluss mit Florena in Waldheim.

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Die seit 2002 vollständig zum Beiersdorf-Konzern gehörende Firma zieht nach Leipzig. Am nördlichen Stadtrand entsteht gerade ein neuer, großer Produktionsstandort, der spätestens 2023 den Betrieb aufnehmen soll.

„Das ist traurig für Waldheim“, sagt Bergmann. Früher hätten die Gründer noch zu ihren Standorten, ihren Mitarbeitern und deren Familien gestanden. „Den Konzernen heute geht das doch am Allerwertesten vorbei, die interessiert nicht, was aus dem Standort und den Menschen hier wird“, ärgert sich der Senior.

Albrecht Bergmann (82) blickt vom Turm des Waldheimer Rathauses besorgt auf seine Stadt. Der baldige Wegzug von Florena schmerzt den Ururenkel des Fabrikgründers.
Albrecht Bergmann (82) blickt vom Turm des Waldheimer Rathauses besorgt auf seine Stadt. Der baldige Wegzug von Florena schmerzt den Ururenkel des Fabrikgründers.  © Kristin Schmidt
Die Kräne drehen sich schon über dem Rohbau des neuen Florena-Werkes auf der grünen Wiese im Norden Leipzigs. Die Produktion soll hier 2023 starten.
Die Kräne drehen sich schon über dem Rohbau des neuen Florena-Werkes auf der grünen Wiese im Norden Leipzigs. Die Produktion soll hier 2023 starten.  © Jan Woitas/dpa

Der von Beiersdorf kurz vor Weihnachten verkündeten Nachricht, einen Käufer für das Waldheimer Werk gefunden zu haben, der die Immobilie zu einem Gewerbehof entwickeln wolle, begegnet der Ururenkel mit Skepsis. Bergmann: „Die Botschaft hör‘ ich wohl... doch in 20 Jahren im Stadtrat habe ich viele Immobiliendeals erlebt, die am Ende nur heiße Luft waren.“

Titelfoto: Kristin Schmidt

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