Kulturhauptstadt 2025: Experten geben Tipps, wie Chemnitz das Jubeljahr gewuppt kriegt

Chemnitz - Endlich geschafft - Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt 2025. Doch trotz Pandemie-Ungewissheit und Feinschliff-Frist von rund vier Jahren darf sich Chemnitz nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Kultur-Kenner und ehemalige Kulturhauptstädte geben Tipps.

Ein Platz für Kunst: Bernd Weise (64) in seiner Galerie im Rosenhof. Diese feiert 2020 ein rundes Jubiläum.
Ein Platz für Kunst: Bernd Weise (64) in seiner Galerie im Rosenhof. Diese feiert 2020 ein rundes Jubiläum.  © Kristin Schmidt
  • "Die Politik muss den Vertrauensvorschuss erfüllen. Es gibt jetzt die einmalige Chance, das vorherrschende Image über die Stadt umzudrehen", sagt Mathias Lindner (55) von der "Neuen Chemnitzer Kunsthütte". Der Verein bietet seit Januar 1990 Räume für Künstler in der Stadt. 
  • Dazu braucht es Mut. "Um eine Meinung über Kunst haben zu können, muss man diese erstmal sehen. Hohe Kunst, Oper und Theater werden immer elitär bleiben", erläutert Bernd Weise (64) von der "Galerie Weise" (Rosenhof 4), in der sich ebenfalls seit der Wende Künstler präsentieren können. Als Positivbeispiel nennt Weise die ehemalige Kunstsammlungen-Chefin: "Ingrid Mössinger hat Picasso hierhergeholt - und Chemnitz vorher schon zur Kulturhauptstadt gemacht."
  • Auch Kooperation mit dem Umland ist wichtig. "Ein Vorteil für Chemnitz ist die gute regionale Ein- und Anbindung. Was über den Verkehr wie beim 'Chemnitzer Modell' möglich ist, könnte auch als kulturelle Verbindung gesehen werden. Denn wir müssen uns die - auch europäische - Frage stellen, was Menschen verbindet", sagt Oliver Scheytt (62), ehemaliger Kulturbürgermeister von Essen. Die Ruhrgebiets-Stadt trug 2010 als letzte deutsche den Kulturhauptstadt-Titel. "Der Besucheransturm übertraf damals alle unsere Erwartungen. Chemnitz sollte sich sehr früh überlegen, wie eine Besucherlenkung auszusehen hat, damit sich nicht alle auf das Zentrum konzentrieren", so Lars Büttner (48), seinerzeit Tourismus-Verantwortlicher. Essen hatte 2010 mit 662.657 Beherbergungen ein Touri-Plus von fast 29 Prozent gegenüber 2009.
Großer Jubel: OB Barbara Ludwig (58, SPD) und Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) sprangen bei der Jury-Verkündung am Mittwochmittag auf.
Großer Jubel: OB Barbara Ludwig (58, SPD) und Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) sprangen bei der Jury-Verkündung am Mittwochmittag auf.  © Uwe Meinhold
Abendparty: Am Mittwochabend fand ein Feuerwerk zwischen Kunstsammlungen, Petrikirche und vor der Oper statt.
Abendparty: Am Mittwochabend fand ein Feuerwerk zwischen Kunstsammlungen, Petrikirche und vor der Oper statt.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild
Massiven Zuwachs durch den Titel: Lene Øster zeigt den Trend im norddänischen Aarhus.
Massiven Zuwachs durch den Titel: Lene Øster zeigt den Trend im norddänischen Aarhus.  © PR
  • Die Ruhr-Metropole hat mit rund 582.000 Einwohnern mehr als doppelt so viele wie Chemnitz (248.689). Vergleichbar ist hier das dänische Aarhus (rund 281.000 Einwohner), das 2017 Kulturhauptstadt war und noch mehr Touris ranholte. "Wir hatten damals mit 1,2 Millionen Übernachtungen einen Zuwachs von 50 Prozent. Dazu kamen 3,4 Millionen Tagesbesuche. Unser Kulturhauptstadt-Ziel war damals, globale Herausforderungen zu überdenken", schildert Lene Øster von der Kulturverwaltung der Hafenstadt.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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