In fünfter Generation: Dieser Sachse bastelt Zielscheiben fürs Schützenfest

Freiberg - Steffen Heinrich (65) aus Weigmannsdorf führt eine 160 Jahre alte Familientradition fort. Für Dorf-, Schützen- und Feuerwehrfeste baut er zwei mal zwei Meter große und 50 Kilo schwere Abschussvögel.

Steffen Heinrich (65) steht hinter einem fertig aufgebauten Abschussvogel.
Steffen Heinrich (65) steht hinter einem fertig aufgebauten Abschussvogel.  © Eckardt Mildner

"Mein Ur-Ur-Großvater hat damit 1860 in Hermsdorf angefangen. Ich mache das jetzt in der fünften Generation", sagt Steffen Heinrich nicht ohne Stolz. "Die 51 Einzelteile werden mit einer historischen Armbrust abgeschossen. Dafür gibt es Preise. Zum Schluss muss das große Herz in der Mitte getroffen werden. Wer das letzte Stück vom Mast schießt, wird Schützenkönig."

Ursprünglich war das Vogelschießen auf der Dresdner Vogelwiese eine Sache für Privilegierte, mittlerweile ist der "Sport" im Erzgebirge auch eine Sache für "Otto Normalbürger". Rentner Heinrich: "Der Vogel hängt in zehn Meter Höhe. Ich baue die Einzelteile vor Ort auf. Nach den Festen wird Feuerholz daraus."

Schon als Kind war Steffen Heinrich gemeinsam mit seinem Opa Stammgast auf Schützenfesten. "Ich habe die Bolzen der Armbrüste eingesammelt." Nach dem Tod von Opa Curt Hennig (†88) übernahm er die Werkstatt.

Der Rentner schleift in seiner Werkstatt Holz für sein nächstes Werk.
Der Rentner schleift in seiner Werkstatt Holz für sein nächstes Werk.  © Eckardt Mildner
Heinrichs Großvater Curt Hennig (†88) führte bis zu seinem Tod 1988 die Familientradition fort.
Heinrichs Großvater Curt Hennig (†88) führte bis zu seinem Tod 1988 die Familientradition fort.  © Repro: Eckardt Mildner

Normalerweise produziert der Handwerker etwa 15 Vögel pro Jahr, zum Beispiel für Feste in Lichtenberg, Zinnwald oder Rudolstadt. 

"Ausgerechnet im 160. Jubiläumsjahr konnte ich wegen Corona nichts machen. Ich stehe unmittelbar neben dem Schützen, dem ich die Armbrust überreiche, hätte keine Lust, den ganzen Tag eine Maske zu tragen. Das wäre körperlich zu anstrengend." Steffen Heinrich hofft jetzt auf ein besseres 2021.

Titelfoto: Eckardt Mildner

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