Umdenken nach Fleischskandal: Kann Wild die Lücke schließen?

Großschirma - Ganz Deutschland diskutiert derzeit: Geht Fleischgenuss auch ohne Schweinerei? Ja, sagen Grünröcke und Fleischermeister. Sie hoffen, dass als Konsequenz aus den aktuellen Schlachthof-Skandalen heimisches Wild häufiger auf den Tisch kommt.

Über 12.500 Männer und Frauen besitzen in Sachsen einen Jagdschein (F.l.). Schwarzwild darf hierzulande ganzjährig gejagt werden - mit Ausnahme von Bachen, die Junge führen.
Über 12.500 Männer und Frauen besitzen in Sachsen einen Jagdschein (F.l.). Schwarzwild darf hierzulande ganzjährig gejagt werden - mit Ausnahme von Bachen, die Junge führen.  © imago images/Panthermedia/123RF

"Wildbret von unseren Jägern kann man mit gutem Gewissen verzehren. Es ist gesund und wird regional und nachhaltig gewonnen", sagt Kay Rotter (49) vom Präsidium des Landesjagdverbandes Sachsen (Sitz in Großschirma). 

Der Vogtländer hofft auf eine Rückbesinnung der Verbraucher nach dem Motto: zum Essen mehr Klasse statt Masse.

Hinter vielen Wild-Direktvermarktern liegen schwere Wochen. Während des Lockdowns brach ihnen die Gastronomie als Abnehmer weg. 

Sie kämpfen mit bürokratischen Hürden, während die ungezügelte Konkurrenz aus Osteuropa und Neuseeland den Markt beherrscht und tonnenweise Fleisch importiert. 

Gleichzeitig sollen die deutschen Jäger mehr Rehe, Hirsche und Wildschweine erlegen, damit der Wald wachsen und das Risiko der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest minimiert werden kann.

Ab Mitte April dürfen in Sachsen Rehwildböcke gejagt werden. Ihr Fleisch ist besonders zart und aromatisch und gilt als sehr bekömmlich.
Ab Mitte April dürfen in Sachsen Rehwildböcke gejagt werden. Ihr Fleisch ist besonders zart und aromatisch und gilt als sehr bekömmlich.  © 123RF Ondrej Prosicky

Immerhin: Wildbret wird immer beliebter. Laut einer repräsentativen Umfrage halten es 84 Prozent für gesund und natürlich. "Wildspezialitäten sind das ganze Jahr über ein Genuss", erklärt Konrad Geßner (32). 

Fleischermeister Konrad Geßner (32) aus Chemnitz-Grüna präsentiert seine "wilde" Grillplatte. Sein Betrieb hat sich auf die Verarbeitung von Wild spezialisiert, das ausschließlich aus heimischen Wäldern stammt und maximal 80 Kilometer entfernt von Chemnitz erlegt wurde.
Fleischermeister Konrad Geßner (32) aus Chemnitz-Grüna präsentiert seine "wilde" Grillplatte. Sein Betrieb hat sich auf die Verarbeitung von Wild spezialisiert, das ausschließlich aus heimischen Wäldern stammt und maximal 80 Kilometer entfernt von Chemnitz erlegt wurde.  © Ralf Kunz
Die Fleischerei Geßner bereitet aus Wild feine Fleischteile für jede Zubereitungsart sowie Wurst- und Schinkenspezialitäten zu.
Die Fleischerei Geßner bereitet aus Wild feine Fleischteile für jede Zubereitungsart sowie Wurst- und Schinkenspezialitäten zu.  © Ralf Kunz

Der Fleischermeister aus Chemnitz-Grüna bietet jetzt im Sommer zum Beispiel "wilde" Bratwürste und Fleisch vom Maibock an. "Zum Grillen sind das beides schöne Spezialitäten", schwärmt er.

Titelfoto: 123RF Ondrej Prosicky/Ralf Kunz

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