Suchtkranke direkt an der Schule? Geplantes Wohnprojekt sorgt für Unruhe in Sachsen

Chemnitz - Wohnprojekt für obdachlose Alkoholiker ja, aber bitte nicht in Grüna! Nächstes Jahr im Januar sollen 30 wohnungslose Suchtkranke in den Grünaer Hof einziehen. Doch gegen die Entscheidung des Sozialamts Chemnitz regt sich Widerstand - vor allem wegen des Standortes nahe der Schule. Sozialausschuss und Ortschaftsrat Grüna fühlen sich übergangen.

In den Grünaer Hof ziehen ab Januar 2021 obdachlose Alkohol-Suchtkranke ein.
In den Grünaer Hof ziehen ab Januar 2021 obdachlose Alkohol-Suchtkranke ein.  © Maik Börner

"Es ist unbestritten, dass obdachlosen Alkoholkranken geholfen werden muss, aber nicht an der Schulgasse in der Nähe von Baumgarten-Grundschule, Turnhalle und Getränkemarkt", sagt Diana Rabe (AfD, 34). 

Sie hält das leerstehende Hotel für nicht geeignet, befürchtet Konflikte zwischen Anwohnern oder Kindern und den Suchtkranken. Im Sozialausschuss sei das Thema gar nicht aufgetaucht. Einen Ortstermin gab es auch nicht. 

Ortsvorsteher Lutz Neubert wurde am 8. Mai per Telefon-Anruf einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Nico Köhler (44, AfD) hält eine Unterkunft an der Oberfrohnaer Straße in Siegmar für die beste Lösung: "Dort haben die Suchtkranken aus Siegmar gewohnt, bevor die Stadt das Gebäude räumte und zur Asyl-Unterkunft umfunktionierte. Dort leben maximal neun Flüchtlinge. Die Kosten übersteigen Auslastung und Kapazität", sagt er. Köhler fordert Bürgerbeteiligung und eine Bevölkerungsumfrage in Grüna.

Ortschaftsrätin Diana Rabe (31, AfD) und Stadtrat Nico Köhler (44, AfD) kritisieren das Sozialamt. Der Dorf-Mittelpunkt sei der falsche Standort.
Ortschaftsrätin Diana Rabe (31, AfD) und Stadtrat Nico Köhler (44, AfD) kritisieren das Sozialamt. Der Dorf-Mittelpunkt sei der falsche Standort.  © Maik Börner

Auch Ortschaftsrat-Mitglied Bernhard Herrmann (54, Grüne) hat für die Sitzung am 15. Juni im Kulturhaus Grüna Fragen ans Sozialamt: "Der Ortschaftsrat hat laut Gemeindeordnung kein Mitspracherecht. Aber wir möchten bei solchen Themen ernst genommen werden. Der Standort ist fix. Bei den Entscheidungsprozessen hat die Verwaltung immensen Nachholbedarf".

Bernhard Herrmann (54, Grüne) ist im Sozialausschuss und im Ortschaftsrat aktiv, fühlt sich von der Stadt übergangen.
Bernhard Herrmann (54, Grüne) ist im Sozialausschuss und im Ortschaftsrat aktiv, fühlt sich von der Stadt übergangen.  © Kristin Schmidt
In diesem Haus in Siegmar an der Oberfrohnaer Straße hatten bis zuletzt 30 Alkohol-Abhängige gewohnt. Die Stadt räumte das Gebäude und funktionierte es um.
In diesem Haus in Siegmar an der Oberfrohnaer Straße hatten bis zuletzt 30 Alkohol-Abhängige gewohnt. Die Stadt räumte das Gebäude und funktionierte es um.  © Maik Börner

In Grüna sollen bis zu vier Sozialarbeiter tagsüber arbeiten, ein Wachschutz nachts im Gebäude für Ruhe sorgen. Die Alkoholabhängige dürfen im Gebäude Alkohol trinken, aber der Konsum von Hochprozentigem wird reduziert.

Titelfoto: Maik Börner

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