Ihre Stärken sind Wille und Sprung: Nach Bauchklatscher und viel Schweiß ist Pauline Schäfer bereit

Chemnitz/Tokio - "Es hört sich schlimmer an, als es ist", meinte Pauline Schäfer (24), nachdem die Chemnitzerin beim Training den oberen Holmen des Stufenbarrens nicht greifen konnte und aus 2,46 Meter einen Bauchklatscher auf zum Glück zwei dicke Matten hinlegte. In der Reihe "Fünf Ringe im Visier" ließ die 24-Jährige sich die letzten Monate vor den Olympischen Spielen begleiten und gab einige private und sportliche Einblicke. Steht sie in Tokio auch im Fokus?

Auch auf der Showbühne schlägt sich Pauline Schäfer perfekt - hier mit der sächsischen Sportlerkrone im Januar 2018.
Auch auf der Showbühne schlägt sich Pauline Schäfer perfekt - hier mit der sächsischen Sportlerkrone im Januar 2018.  © Norbert Neumann

Das ist die spannende Frage. Seit ihrem WM-Sieg am Schwebebalken 2017 ist viel passiert. Schäfer stand mehr wegen ihren Vorwürfen an ihre Ex-Trainerin Gabi Frehse im Mittelpunkt. Im Januar hatte die Frau vom KTV Chemnitz nach gesundheitlichen Problemen Startschwierigkeiten "wieder ins Training einzusteigen", erklärte sie in einer der Folgen auf YouTube.

Doch sie biss sich systematisch rein. Zog 65 Kilo durch die Turnhalle, rutschte bei kniffligen Drehungen ein ums andere Mal vom Schwebebalken und quälte sich zur Perfektion bei den Sprüngen. "Ihre Stärke ist der Wille. Pauline kann sich schinden", lobt ihr jetziger Coach Kay-Uwe Temme. "Und sie springt sehr gut." Und da drei der vier Geräte bei Olympia mit Sprüngen zu tun haben, ist der 44-Jährige ganz zuversichtlich.

Die großen Hoffnungen liegen klar auf dem fünf Meter langen und nur zehn Zentimeter breiten Paradegerät. Bei der DM im Juni glänzte sie darauf bereits und legte den Grundstein für ihre Olympia-Quali. Wenn es bei Schwebebalken-Finale am 3. August um die Medaillen geht, dann hätte die Abiturientin nichts dagegen, wenn es heiß in der Halle ist.

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"Manchmal ist es besser, wenn man schwitzt. Der Balken ist sehr rutschig und besprüht werden darf er nicht mehr", so Schäfer.

Am Stufenbarren legte die Chemnitzerin den einen oder anderen Bauchklatscher hin, als sie den Holm nicht greifen konnte.
Am Stufenbarren legte die Chemnitzerin den einen oder anderen Bauchklatscher hin, als sie den Holm nicht greifen konnte.  © Imago Images/Sven Simon
Stolz präsentierte Pauline Schäfer 2017 ihre WM-Goldmedaille aus Montreal.
Stolz präsentierte Pauline Schäfer 2017 ihre WM-Goldmedaille aus Montreal.  © Harry Härtel

Das sind Pauline Schäfers Pläne nach der Sport-Karriere

Gelingt Pauline Schäfer in Tokio ein Coup an ihrem geliebten Schwebebalken? Wenn die Sprünge sitzen, ist die Chance da.
Gelingt Pauline Schäfer in Tokio ein Coup an ihrem geliebten Schwebebalken? Wenn die Sprünge sitzen, ist die Chance da.  © imago images/Oryk Haist

Durch die Schweißtropfen gibt es in Verbindung mit dem Magnesia mehr Grip. Aber erstmal muss sie es in den Endkampf schaffen. Sonntagfrüh wird's ernst für sie und ihre deutschen Kolleginnen. Der große Quali-Tag steht an - für Mehrkampf-Mannschaft, im Einzel und sämtliche Geräte.

Die Tage zuvor genossen Schäfer & Co. die Atmosphäre im Olympischen Dorf. Sie posierten fürs Foto in den Ringen. Ihrem Spitznamen "Turntussi" machte Pauline dabei keine Ehre. Den verlieh ihr eine Jugend-Trainerin, als sie noch in der Regionalliga unterwegs war. Verewigt ist das Synonym auf ihrem grünen Beutel für die Lederriemchen, die Schäfer für den Stufenbarren anlegt: "Meine haben sogar meine Unterschrift drauf. Das finde ich sehr, sehr cool."

Wirklich cool ist die gebürtige Saarländerin dagegen unterm Basketballkorb nicht. Eher talentfrei, aber dies nimmt sie mit Humor. Ihr Zukunft sieht die Weltmeisterin ohnehin woanders. "Ich würde gern Rechtsmedizinerin werden, dafür brauche ich aber ein gutes Abi", meint Schäfer.

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Wenn es jetzt bei den Prüfungen nicht geklappt haben sollte, dann will sie Richtung Event-Management gehen. Aber jetzt soll Tokio für die Chemnitzerin zum Event werden ...

Titelfoto: Harry Härtel, imago images/Oryk HAIST

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