Kunst schlägt Corona: Schumann-Philharmonie zurück auf der Bühne

Chemnitz - Die Robert-Schumann-Philharmonie ist zurück aus der Corona-Pause. Mit ihrem 1. Sinfoniekonzert, am Mittwoch und Donnerstag in der Stadthalle, eröffnet sie die neue Saison. Ein fast vergessener Anblick: Fast hundert Musiker spielen zusammen auf der Bühne. Sie zeigen, was Kunst gerade in Krisen-Zeiten kann - und wie mühsam der Orchester-Alltag jetzt ist.

Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo (42) brachte das Orchester nach der langen Pause wieder in Hochform.
Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo (42) brachte das Orchester nach der langen Pause wieder in Hochform.  © Maik Börner

Für Sinfoniker ist es ein kompliziertes Jahr: Große Orchester können nach wie vor kaum auftreten, da auch auf der Bühne die Abstandsregel gilt. Die meisten Spielstätten bieten dafür zu wenig Platz.

Die Stadthalle ist eine Ausnahme: "Da schätzen wir uns hier in Chemnitz sehr glücklich", sagt Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo (42).

Trotzdem läuft vieles anders. Bei den Streichinstrumenten etwa teilen sich normalerweise zwei Musiker ein Pult. Dadurch können sie sich beim Umblättern der Noten abwechseln. Jetzt hat jeder ein Pult für sich, was das Spielen erschwert.

Orchesterdirektor Raimund Kunze (39) freut sich, dass es wieder Auftritte gibt: "Das Publikum und die Musiker brauchen das mehr denn je."

Er kritisiert aber den Umgang mit Kultur in der Krise. "Wir wurden in unserer Situation erst mal nicht richtig bedacht", sagt er.

Die Bühne der Stadthalle bietet Raum für viele Musiker - selbst mit Corona-Abständen.
Die Bühne der Stadthalle bietet Raum für viele Musiker - selbst mit Corona-Abständen.  © Maik Börner

Musikauswahl von Krise beeinflusst

Die Distanz zwischen den Musikern erschwerte den Probenprozess.
Die Distanz zwischen den Musikern erschwerte den Probenprozess.  © Maik Börner

Auch die Musikauswahl ist von der Krise beeinflusst. Neben einem Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan steht die Vierte Sinfonie des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm. Sie entstand während der brutalen Umwälzungen in der Sowjetunion der 1930er-Jahre. 

"Ich glaube, man hört die Zerrissenheit von Schostakowitsch", sagt Kunze. "Diese Zerrissenheit spürt auch unsere heutige Gesellschaft."

Die zweite Aufführung findet heute um 19 Uhr statt (Restkarten buchbar unter www.theater-chemnitz.de).

Außerdem sendet Deutschlandfunk Kultur am Donnerstag ab 20.30 Uhr eine Aufzeichnung von Mittwoch.

Titelfoto: Maik Börner

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