Ex-Knast wird Lernort für Demokratie: Millionenspritze für Gedenkort Kaßberg

Chemnitz - Endlich kann der Bau des "Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis" in Chemnitz richtig losgehen. Am Montag überreichte die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) einen Fördermittelbescheid in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro an den Verein, der sich seit 2011 für die Erinnerung an den geschichtsträchtigen Ort einsetzt.

Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) übergibt Jürgen Renz (46, SPD), dem Vorsitzenden des Vereins "Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis", den Fördermittelbescheid.
Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) übergibt Jürgen Renz (46, SPD), dem Vorsitzenden des Vereins "Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis", den Fördermittelbescheid.  © Ralph Kunz

"Der Förderbescheid ist ein Meilenstein für unsere Entwicklung", sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Renz (46, SPD). Auf vier Etagen soll künftig die Geschichte des Knasts im Nationalsozialismus, nach dem Krieg und in der DDR anhand von Häftlingsbiografien erzählt werden.

Zeitzeuge und Vereinsmitglied Chris Bürger (64) saß 1986 einige Monate wegen eines geplanten Fluchtversuchs auf dem Kaßberg in Untersuchungshaft. "Ich wurde Tag und Nacht zu verschiedensten Zeiten verhört. Damals gab es keine richtigen Fenster in den Zellen, nur Glasbausteine, durch die man ein trübes, milchiges Tageslicht gesehen hat. Es war eine physische und psychische Belastung. Das System wollte, dass die Leute brechen."

Er hofft, dass durch die Gedenkstätte auch junge Leute an das Unrecht in Diktaturen erinnert werden. Die Finanzspritze für den Gedenkort kommt aus dem Vermögen der ehemaligen Parteien- und Massenorganisationen der DDR sowie Mitteln des Bundes.

Die alte Haftanstalt auf dem Kaßberg soll in zwei Jahren eine Gedenkstätte sein.
Die alte Haftanstalt auf dem Kaßberg soll in zwei Jahren eine Gedenkstätte sein.  © Ralph Kunz

Die Stadt steuert 180.000 Euro bei. Etwa zwei Jahre soll der Bau insgesamt dauern.

Titelfoto: Ralph Kunz

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