Chemnitzer Kulturbranche: "Dieser Lockdown ist für uns wie Vollbremsung auf der Autobahn"

Chemnitz - Lichter aus, Vorhang zu: Die Chemnitzer Kultur blickt einem düsteren Winter entgegen. Der neue Lockdown für Theater, Museen und Galerien gilt zwar vorerst nur bis zum 12. Dezember, doch an den baldigen Neustart glaubt kaum jemand.

Für Frédéric Bußmann (47), Generaldirektor der Kunstsammlungen, ist die Unsicherheit groß.
Für Frédéric Bußmann (47), Generaldirektor der Kunstsammlungen, ist die Unsicherheit groß.  © Uwe Meinhold

Die Besucher strömten nur so ins Fahrzeugmuseum, nachdem dort vergangene Woche die Ausstellung "Spielzeugträume aus der DDR" eröffnet hatte.

"Das hätte sich richtig schön auf unsere Besucher-Statistik und die Einnahmen ausgewirkt", sagt Museumsleiter Dirk Schmerschneider (51). Jetzt ist er gänzlich auf Fördergelder angewiesen.

Die Kunstsammlungen bereiteten drei Ausstellungen vor, als die Hiobs-Botschaft kam:

Weihnachts-Shoppen in Chemnitz: So lief der zweite Adventssamstag
Chemnitz Wirtschaft Weihnachts-Shoppen in Chemnitz: So lief der zweite Adventssamstag

"Die Arbeit in den Museen ist sehr langfristig angelegt, das heißt die aktuelle Schließung ist bei uns wie eine Vollbremsung auf der Autobahn", so Generaldirektor Frédéric Bußmann (47).

Die Chemnitzer Kunstsammlungen und das Opernhaus hätten jetzt eigentlich ihre herbstliche Hoch-Phase. Die fällt nun aus.
Die Chemnitzer Kunstsammlungen und das Opernhaus hätten jetzt eigentlich ihre herbstliche Hoch-Phase. Die fällt nun aus.  © Sven Gleisberg
Theater-Generalintendant Christoph Dittrich (55) fürchtet um den wichtigen Advents-Betrieb.
Theater-Generalintendant Christoph Dittrich (55) fürchtet um den wichtigen Advents-Betrieb.  © Sven Gleisberg

"Es ist fatal, dass seitens der Regierung keine ausreichende Kommunikation mit den Kultur-Akteuren stattfindet."

Robert Verch (36) schließt das "Lokomov" auf dem Sonnenberg ab, eine der wichtigsten Anlaufstellen für alternative Kultur.
Robert Verch (36) schließt das "Lokomov" auf dem Sonnenberg ab, eine der wichtigsten Anlaufstellen für alternative Kultur.  © Maik Börner

Ausgebremst fühlen sich auch die Theater Chemnitz: "Wir waren mitten in den Vorbereitungen für den dichten Spielbetrieb in der Weihnachtszeit", sagt Generalintendant Christoph Dittrich (55). Sollte der Kultur-Lockdown andauern, könne das für viele der 430 Theater-Mitarbeiter die Kurzarbeit bedeuten.

Auf dem Sonnenberg sollte am Wochenende ein Adventsmarkt mit Konzerten und Ausstellungen stattfinden.

Mit-Organisator Robert Verch (36) vom "Klub Solitaer" ärgert sich, dass der Lockdown so kurzfristig verhängt wurde: "Es ist fatal, dass seitens der Regierung keine ausreichende Kommunikation mit den Kultur-Akteuren stattfindet."

Hellfried Malech (70) wollte in seiner "denkART"-Galerie eigentlich Bilder des Chemnitzer Künstlers Fritz Diedering (90) zeigen.
Hellfried Malech (70) wollte in seiner "denkART"-Galerie eigentlich Bilder des Chemnitzer Künstlers Fritz Diedering (90) zeigen.  © Maik Börner

In der "denkART"-Galerie bastelt Vorsitzender Hellfried Malech (70) nun zusammen mit seinen Künstlern einen Kalender. "Damit haben sie eine Möglichkeit, ihre Werke zu veröffentlichen."

Titelfoto: Bildmontage: Sven Gleisberg, Uwe Meinhold, Maik Börner

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