Party-Volk auf Grünflächen! Rathäuser klagen über "Corona-Müll" in Parks

Chemnitz/Leipzig - Sind Parks nun die neuen Clubs? Der nicht nur dem Sommer geschuldete, sondern vor allem Pandemie-bedingte Trend sorgt für Frust bei den Stadtverwaltungen. Nämlich über die unschönen Hinterlassenschaften des Party-Volks.

Übervolle Mülleimer: Nicht nur Feier- und Lebensmittelabfall landet in den Behältern auf dem Lessingplatz.
Übervolle Mülleimer: Nicht nur Feier- und Lebensmittelabfall landet in den Behältern auf dem Lessingplatz.  © Ralph Kunz

"Grundsätzlich verursachten die corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen mehr Besucherverkehr in den öffentlichen Grünanlagen als sonst. Ein gestiegenes Müllaufkommen war dann mit der Öffnung von Imbissen und Eisdielen zu spüren. Unsere Mitarbeiter stellen eine deutliche Zunahme an Besuchern in städtischen Grünanlagen fest. Vor allem im Bereich von Spielplätzen ist das Besucheraufkommen deutlich erhöht. Als Ursache wird die Ferien- und Urlaubszeit vermutet. Diese wird 2020 häufig im heimischen Umfeld verbracht", so eine Chemnitzer Stadtsprecherin.

"Ich reinige dreimal die Woche den Lessingplatz", sagt Michael Gehre (54) von der zuständigen Firma "Wackler Group". Neben Bierdosen findet er verstärkt allerlei Nahrungsmittelbehälter in der Sonnenberg-Oase. "Wir stellen fest, dass diverse Verpackungen von To-go-Produkten - zum Beispiel Pizzakartons und Becher - einen Großteil des Müllaufkommens ausmachen", ergänzt die Rathaussprecherin.

Grillpartys versuchen erhöhtes Müllaufkommen

Partyzone "Völki": Auch die Stadt Leipzig klagt über die Müllzunahme auf ihren Grünflächen.
Partyzone "Völki": Auch die Stadt Leipzig klagt über die Müllzunahme auf ihren Grünflächen.  © Gerald Krauser

Auch Michelle Ott vom Studentenwerk Chemnitz-Zwickau, das Wohnheime auf dem TU-Campus in der Reichenhainer Straße betreibt, bestätigt den leidigen Trend: 

"Seit Beginn der Pandemie stellen unsere Hausmeister eine Zunahme an Einwegbehältern in unseren Mülleimern fest. Dies führen wir auf den vermehrten Kauf von To-go-Artikeln zurück."

Derzeit sorgen vor allem Grillpartys für erhöhtes Müllaufkommen in den Chemnitzer Parks. 

Auf der Schloßteichinsel musste deswegen letztes Wochenende der Müller-Zipper-Springbrunnen abgeschaltet werden: Verschmutzungen in dessen Zisternen-Zuflussrohr sorgten für Probleme mit der Pumpen-Elektronik.

Sommer-Überschuss: Durch die warme Jahreszeit gibt es in den Chemnitzer Parks noch mehr Abfall.
Sommer-Überschuss: Durch die warme Jahreszeit gibt es in den Chemnitzer Parks noch mehr Abfall.  © Ralph Kunz
Er ist die gute Seele vom Lessingplatz: Michael Gehre (54) reinigt hier, kümmert sich auch um den "trendigen" To-go-Abfall.
Er ist die gute Seele vom Lessingplatz: Michael Gehre (54) reinigt hier, kümmert sich auch um den "trendigen" To-go-Abfall.  © Ralph Kunz

Auch Leipzig, die mittlerweile bevölkerungsreichste sächsische Großstadt (rund 600.000 Einwohner), hat mit dem Outdoor-Müll zu kämpfen.

"Während der corona-bedingten Schließung von Restaurants und Imbissbetrieben und damit einhergehenden 'Außer Haus'-Verkauf war gleichermaßen eine teilweise erhebliche Zunahme von To-go-Verpackungen in den öffentlichen Papierkörben zu verzeichnen. Beispielsweise am Völkerschlachtdenkmal und im Clara-Zetkin-Park", erläutert Rathaussprecherin Franziska Schneider. 

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz

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