TU-Forscherinnen mit erster Lockdown-Studie: Kulturhauptstadt laufen die Experten weg

Chemnitz - Schlechte Noten für die Kulturhauptstadt Chemnitz: Eine Studie der TU Chemnitz kommt zu dem Ergebnis, dass es Kulturschaffenden nicht nur an Anerkennung, sondern vor allem an Hilfe fehlt.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Anja Herrmann-Fankhänel (r.) und Diana Heinbucher haben die Situation der Chemnitzer Kulturschaffenden untersucht.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Anja Herrmann-Fankhänel (r.) und Diana Heinbucher haben die Situation der Chemnitzer Kulturschaffenden untersucht.  © Fotomontage: Jacob Müller; Fotos: Lili Hofmann, privat

"Diese Studie ging mir emotional mächtig unter die Haut", sagt Anja Herrmann-Fankhänel. Gemeinsam mit Diana Heinbucher haben die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen von der Professur Innovationsforschung und Technologiemanagement 30 Kultur-Akteure interviewt.

Die meisten kamen aus der Privatwirtschaft, einige aus der freien Kulturszene, nur wenige aus dem kommunalen Kultursektor. Die 60 Stunden gesprochenes Wort wurden nun verschriftlicht und ausgewertet.

Deutlich wurde, dass bereits einige Kulturschaffende die Szene verlassen haben und weitere folgen werden. Das ergibt sich unter anderem aus der Lage zur finanziellen Unterstützung im vergangenen Jahr: "Kein Förderprogramm, nach welchem ich fragte, konnte von mehr als 50 Prozent der Interviewten bis April 2021 in Anspruch genommen werden. 15 Prozent konnten aus verschiedenen Gründen gar keine Förderung in Anspruch nehmen", so Herrmann-Fankhänel.

Bereits Anfang des Jahres warben die Chemnitzer Kulturakteure mit der Plakataktion "Ohne uns ist's still" für mehr Aufmerksamkeit in der Krise.
Bereits Anfang des Jahres warben die Chemnitzer Kulturakteure mit der Plakataktion "Ohne uns ist's still" für mehr Aufmerksamkeit in der Krise.  © Screenshot: Kulturgesichter

Es herrscht dringender Handlungsbedarf: Mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025 bedeute die Abwanderung von Akteuren der Szene, dass auch mächtig Know-how flöten gehe. Eine äußerst schwierige Situation und ein Expertisen-Verlust, der schon jetzt nicht mehr aufholbar sei, so das Fazit von Anja Herrmann-Fankhänel und Diana Heinbucher.

Titelfoto: Fotomontage: Uwe Meinhold, Lili Hofmann, privat

Mehr zum Thema Chemnitz Kultur & Leute: