Viel Rauch im Chemnitzer Industriemuseum: Wie Dresden einst zur Tabak-Hochburg wurde

Chemnitz - Das Chemnitzer Industriemuseum lässt ab Samstag endlich wieder die Maschinen rattern! Eine DDR-Drehbank und ein 3-D-Drucker sind während des langen Lockdowns eingezogen. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen zur neuen Sonderschau, die Dresden als einstiges Tabak-Mekka neu entdeckt.

Dieser "Fes" - ein orientalischer Filzhut - war ein Werbeartikel der Dresdner Yenidze-Tabakfabrik, weiß Kuratorin Barbara Würnstl (41).
Dieser "Fes" - ein orientalischer Filzhut - war ein Werbeartikel der Dresdner Yenidze-Tabakfabrik, weiß Kuratorin Barbara Würnstl (41).  © Ralph Kunz

Während die große Dauerausstellung zur sächsischen Industrie-Kultur am Samstag wieder ihre Tore öffnet, bereitet Kuratorin Barbara Würnstl (41) im Depot ein Highlight vor: die Ausstellung "Tabakrausch an der Elbe", eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Dresden.

Die Schau erzählt davon, wie Dresden am Ende des 19. Jahrhunderts zur Tabak-Hauptstadt Deutschlands wurde.

"In den Hochzeiten gab es mehr als 100 Produktions-Standorte in Dresden", so die Kuratorin. Heute bekannt sei noch die Tabakfabrik Yenidze, deren orientalisch anmutende Kuppel noch immer neben der Elbe aufragt. Auch die Marken von damals haben einen exotischen Anklang - so sind etwa Schachteln von "Kairo" und "Kalif" unter den rund 350 Ausstellungs-Objekten zu sehen.

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Barbara Würnstl erklärt, warum ausgerechnet Dresden zur Tabak-Hochburg wurde: "Die Zigaretten-Produktion war vor dem 20. Jahrhundert noch Handarbeit, dadurch war es ein exklusives Produkt. In Dresden gab es dafür das richtige Klientel." Wie Museums-Sprecherin Claudia Wasner (58) hinzufügt, habe Dresden im Gegensatz zu Chemnitz eher auf die Herstellung von Genussmitteln gesetzt, da deren Produktion vergleichsweise sauber war. Die Ausstellung soll am 8. April öffnen.

Doch das Industriemuseum hält schon jetzt andere Schmankerl parat: Besucher können ab Samstag die neu eingezogene "WMW"-Drehmaschine aus DDR-Zeiten in Aktion erleben, außerdem ist der 3-D-Drucker "Trikarus" aufgebaut.

Mit der "WMW"-Drehmaschine kam ein weiteres Stück DDR-Geschichte ins Industriemuseum.
Mit der "WMW"-Drehmaschine kam ein weiteres Stück DDR-Geschichte ins Industriemuseum.  © Ralph Kunz
Museums-Sprecherin Claudia Wasner (58, l.) und Kuratorin Barbara Würnstl (41) präsentieren eine Yenidze-Vitrine aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Museums-Sprecherin Claudia Wasner (58, l.) und Kuratorin Barbara Würnstl (41) präsentieren eine Yenidze-Vitrine aus dem frühen 20. Jahrhundert.  © Ralph Kunz

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 7/4 Euro, Kinder frei.

Titelfoto: Ralph Kunz

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