Zu viele Corona-Infektionen! Chemnitz jetzt Risikogebiet, aber kein Lockdown geplant

Chemnitz - Chemnitz ist jetzt Corona-Risikogebiet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 56 und riss damit die kritische 50er-Marke. Am Wochenende wurden bei Nachuntersuchungen 61 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Stadt will die dynamische Entwicklung im Keim ersticken.

Ordnungsbürgermeister Mirko Runkel (59, parteilos) will nicht auf eine Verordnung aus Dresden warten. Er kündigt verschärfte Maßnahmen ab Mittwoch an.
Ordnungsbürgermeister Mirko Runkel (59, parteilos) will nicht auf eine Verordnung aus Dresden warten. Er kündigt verschärfte Maßnahmen ab Mittwoch an.  © Kristin Schmidt

Sie kündigte eine verschärfte Verfügung an, die Mittwoch in Kraft treten wird. Ein zweiter Lockdown drohe nicht (TAG24 berichtete)."Die Ereignisse haben uns überrascht. Das zwingt uns, schnell zu reagieren", sagte Gesundheitsamts-Chef Harald Uerlings (61). 

Infizierte werden isoliert, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Primärkontakte werden getestet. "Wir wollen Risiko-Personen schützen, die sterben könnten. Es soll niemand herumlaufen, der ansteckend ist", so Uerlings.

Das Gesundheitsamt vertraut den Zahlen von Diagnosticum und Landesuntersuchungsanstalt. Die neue Schutzverordnung des Sozialministeriums (SMS) wird nicht abgewartet. "Das Ministerium arbeitet unter Hochdruck an einer Expressvariante", teilte eine SMS-Sprecherin mit.

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Es werden noch Bundesvorgaben eingearbeitet und Verbände gehört.

Gesundheitsamtsarzt Dr. Harald Uerlings (61) will das Infektionsgeschehen eindämmen, verlangsamen, kontrollieren und zurückverfolgen.
Gesundheitsamtsarzt Dr. Harald Uerlings (61) will das Infektionsgeschehen eindämmen, verlangsamen, kontrollieren und zurückverfolgen.  © Kristin Schmidt
In Chemnitz werten die Labore der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) und des Diagnosticums der Zeisigwaldkliniken Corona-Tests aus.
In Chemnitz werten die Labore der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) und des Diagnosticums der Zeisigwaldkliniken Corona-Tests aus.  © Hans Punz/APA/dpa

"Die Lage ist sehr ernst"

Das Klinikum nimmt Patienten aus dem Umland auf. 35 Covid-19-Patienten werden behandelt, drei auf der Intensivstation.
Das Klinikum nimmt Patienten aus dem Umland auf. 35 Covid-19-Patienten werden behandelt, drei auf der Intensivstation.  © Uwe Meinhold

Ordnungsbürgermeister Mirko Runkel (59, parteilos) kündigte tägliche Kontrollen in Bussen und Bahnen zusammen mit der CVAG an. Öffentliche Versammlungen sind verboten, von 22 bis 5 Uhr gilt eine Sperrstunde. In Gaststätten und Geschäften wird die Einhaltung der AHA-Regeln streng überprüft.

Stadtsprecher Matthias Nowak (51) bezeichnete die Verschärfung als "Warnschuss": "Die Lage ist sehr ernst. Die Kurve steigt massiv, wir wollen keinen Lockdown. Das Klinikum ist ausgelastet, nimmt Patienten aus Umland-Klinken auf. Die Personal-Situation ist angespannt."

Im Klinikum Chemnitz werden 35 Betroffene stationär behandelt, drei liegen auf der Intensivstation. In Chemnitz wurden insgesamt 540 Personen positiv getestet, bisher starben sieben Personen. 

Nach ruhigem Verlauf in Frühjahr und Sommer hat das Sars-CoV2 Chemnitz erreicht. 540 Personen sind in Chemnitz positiv getestet.
Nach ruhigem Verlauf in Frühjahr und Sommer hat das Sars-CoV2 Chemnitz erreicht. 540 Personen sind in Chemnitz positiv getestet.  © Cdc/ZUMA Wire/dpa
Ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hält einen Coronavirus-Test in den Händen.
Ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hält einen Coronavirus-Test in den Händen.  © Robert Michael/dpa
Der Wochenmarkt vor dem Rathaus ist von Dienstag bis Donnerstag abgesagt. Dann könnte eine Variante mit Zäunen folgen.
Der Wochenmarkt vor dem Rathaus ist von Dienstag bis Donnerstag abgesagt. Dann könnte eine Variante mit Zäunen folgen.  © Uwe Meinhold

Weihnachtsmarkt wird abgesagt

In diesem Dezember wird es in Chemnitz keinen Weihnachtsmarkt geben. Die offizielle Absage wird in den kommenden Tagen folgen.
In diesem Dezember wird es in Chemnitz keinen Weihnachtsmarkt geben. Die offizielle Absage wird in den kommenden Tagen folgen.  © Uwe Meinhold

Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt fällt 2020 aus! Das wird die Stadt in dieser Woche offiziell bekanntgeben.

"Wir müssen den Weihnachtsmarkt absagen. So leid uns das tut", sagte Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (59, parteilos).

Für Händler und Hersteller ist das ein Schlag ins Kontor. "Das ist eine Katastrophe. 90 Prozent Jahresumsatz werden im Dezember gemacht. Im Lager liegt Ware für 350.000 Euro", schimpfte Silvio Stibane (41) von der Erzgebirgischen Kunstwerkstatt in Chemnitz. Er plant einen Hofverkauf, Weihnachten könne man der Region nicht einfach wegnehmen. Kollegen und ihm drohen Insolvenzen.

Vorübergehend abgesagt ist auch der Wochenmarkt. Er wird bis Donnerstag ausgesetzt. Danach wäre eine eingezäunte Variante denkbar. Auch die Gastronomie- und Eventbranche erleidet Rückschläge. Statt 25 dürfen nur noch zehn Personen an Privat-Feiern teilnehmen. Auf öffentlichen Veranstaltungen sind maximal 100 Besucher erlaubt. Der Veranstalter C3 will sich am Dienstag zu Absagen äußern.

Sport findet ohne Zuschauer, empfohlen werden weniger als 50 Spielern. 

Titelfoto: Kristin Schmidt, Cdc/ZUMA Wire/dpa

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