Zu wenig Home-Office! Stadt lässt Personal zu Hause sitzen

Chemnitz - Die Corona-Krise legte fast die halbe Stadtverwaltung lahm. Von den rund 4000 Mitarbeitern arbeiteten auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise nur etwas mehr als die Hälfte weiter, davon gerade mal 250 im Home-Office.

Ruhe im Rathaus - zwischen 19. März und 7. April gab es nur Notbetrieb.
Ruhe im Rathaus - zwischen 19. März und 7. April gab es nur Notbetrieb.  © Kristin Schmidt

Das wirft bei Stadträten Fragen auf. Um das Infektionsrisiko zu senken, "erfolgte zunächst eine Reduzierung auf das betriebsnotwendige Personal (ca. 1600 Bedienstete)", so Personalbürgermeister Sven Schulze (48, SPD) auf eine Anfrage von Stadtrat Kai Hähner (46, CDU). 

Infolge der Corona-Verordnungen des Freistaates wäre Personal "für diese Zeiträume ganz oder teilweise von der Arbeit freigestellt". Rund 280 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt.

Stadtrat Hähner wundert sich: "Wenn ich die Zahlen zusammenzähle, komme ich auf rund 2000 Bedienstete, die bei vollen Bezügen zu Hause sitzen. Da wurde wohl der einfachste Weg gewählt." Auch die Quote von sechs Prozent Home-Office hält der Stadtrat für "sehr niedrig". 

Hähner will das Thema noch nicht abhaken: "Wir werden in der Fraktion besprechen, wie wir weiter verfahren."

Auch FDP-Stadtrat Jens Kieselstein (39) hält Freistellungen in Größenordnungen "gegenüber anderen Chemnitzern, deren Einnahmen komplett weggebrochen sind, für nicht vermittelbar. Die Zeit hätte für Schulungen im Bereich Digitalisierung genutzt werden können". 

CDU-Stadtrat Kai Hähner (46) hat offene Fragen zu freigestellten Verwaltungsmitarbeitern.
CDU-Stadtrat Kai Hähner (46) hat offene Fragen zu freigestellten Verwaltungsmitarbeitern.  © Kristin Schmidt
Home-Office ist in der Stadtverwaltung Chemnitz die Ausnahme.
Home-Office ist in der Stadtverwaltung Chemnitz die Ausnahme.  © dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Auf Nachfrage teilte die Stadt mit, dass sich die Zahl von ca. 1600 Personen auf Mitarbeiter mit automatisierter Zeiterfassung bezieht. 

"Bereiche mit manueller Zeiterfassung sind in diese Betrachtung nicht einbezogen worden." Darunter zählen knapp 400 Bedienstete der Feuerwehr sowie Kita-Mitarbeiter, die für Notbetreuung eingesetzt waren. Hinzu kämen 350 Mitarbeiter im Urlaub, mit Krankenschein oder Überstunden-Abbau. 

Titelfoto: Kristin Schmidt

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