Chemnitz: Stadtrat fordert mehr Säggs'sch im Alltag

Chemnitz - Nach seinem AfD-Austritt Ende April macht Stadtrat Paul Steuer (77, fraktionslos) wieder von sich reden. Dieses Mal auf Sächsisch. Er meint, dass in regionalen Radio- und Fernseh-Sendungen zu wenig Dialekt auftauche. Dazu wollte er auch die Haltung der Stadt kennen und stellte sogar eine Ratsanfrage. Bei der Verwaltung stieß er jedoch auf taube Ohren.

Stadtrat Paul Günter Steuer (77, fraktionslos) möchte TV- und Radio-Nachrichten mit mehr sächsischem Dialekt hören. Die Stadt Chemnitz hat eine Ratsanfrage zu mehr Dialekt in Radio und TV nicht beantwortet. Sie ist nicht für Meinungen und Dialekt zuständig.
Stadtrat Paul Günter Steuer (77, fraktionslos) möchte TV- und Radio-Nachrichten mit mehr sächsischem Dialekt hören. Die Stadt Chemnitz hat eine Ratsanfrage zu mehr Dialekt in Radio und TV nicht beantwortet. Sie ist nicht für Meinungen und Dialekt zuständig.  © ronaldbonss.com/Ronald Bonss, Harry Härtel/haertelpress

"Mich regen Sprecher und Sprecherinnen in Radio und TV auf, die sich einen abbrechen, um Hochdeutsch zu sprechen. Wir sollten reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist", schimpft Paul Steuer. Die Medien verstünden ihr Handwerk, aber der Nachrichten-Block wirke oft abgehackt und gekünstelt. 

Fernsehen off Säggs'sch? Andreas Herudek, Chef von Chemnitz Fernsehen, schließt das aus: "Wir sind ein lokaler Fernsehsender, aber Moderationen auf Sächsisch sind kein Thema." Mundart käme in der Sendung "ChemnitzerArt" zur Sprache.

Stadtrat Steuer, Vater des Eislauf-Trainers Ingo Steuer, geht noch weiter: Reisende sollten an Bahnhöfen mit sächsischer Mundart und nicht durch eine "computer-dressierte Ansage" begrüßt werden. 

Zumindest im Rathaus verhallt sein heimatlicher Vorstoß folgenlos. Eine Beantwortung der seltsamen Sächsisch-Anfrage lehnte die Verwaltung ab. Begründung: Für Meinungsfragen und Dialekt sei man nicht zuständig.

In den Straßenbahnen des CVAG werden die Haltestellen in einem leichten sächsischen Dialekt angekündigt. Foto: Uwe Meinhold
In den Straßenbahnen des CVAG werden die Haltestellen in einem leichten sächsischen Dialekt angekündigt. Foto: Uwe Meinhold  © Uwe Meinhold
Kabarettist Stephan Dettmeyer (71) alias Eduard Sachsenmeyer bewahrt Sächsisch durch Kultur, Spaß und Unterhaltung.
Kabarettist Stephan Dettmeyer (71) alias Eduard Sachsenmeyer bewahrt Sächsisch durch Kultur, Spaß und Unterhaltung.  © Sven Gleisberg

Auch Kabarettist Stephan Dettmeyer (71), als Eduard Sachsenmeyer DER Experte für Mundart-Angelegenheiten, hält mehr Sächsisch in Öffentlichkeit und Rundfunk für übertrieben: "Um Gottes willen, ich höre mir ja selbst relativ oft zu", scherzt er. Jedes Völkchen habe ein Recht auf den eigenen Dialekt, aber der sei nur bei Kultur, Unterhaltung und Spaß zu Hause. 

Titelfoto: ronaldbonss.com/Ronald Bonss, Harry Härtel/haertelpress

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