Chemnitzer Hausärzte vor der Belastungsgrenze, Klinikum sucht Personal

Chemnitz - Hausärzte in Chemnitz und Umgebung schlagen Alarm! Der Impf-Ansturm, kombiniert mit den vielen Covid-Kranken, bringt Praxen an die Belastungsgrenze.

Hausarzt Jan Anastassis Skuras (61) aus Niederwiesa arbeitet unermüdlich - und fordert Unterstützung von der Regierung.
Hausarzt Jan Anastassis Skuras (61) aus Niederwiesa arbeitet unermüdlich - und fordert Unterstützung von der Regierung.  © privat

Hausarzt Jan Anastassis Skuras (61) aus Niederwiesa fordert schnelle Unterstützung - und einen konsequenten Lockdown für Ungeimpfte.

"Ich habe keine Pause mehr", klagt der Mediziner. Unter der Woche impfen er und zwei Mitarbeiter täglich 40 Dosen - Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen. Das muss alles am Vormittag passieren, denn am Nachmittag wartet der reguläre Praxis-Betrieb.

Freie Wochenenden sind vorerst Geschichte, das Team impft jeden Samstag zehn Stunden lang. "Da schaffen wir bis zu 200 Dosen."

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Auslöser des Ansturms sei nicht nur die Booster-Kampagne, sondern auch die 2G-Regel - rund ein Drittel entfalle momentan auf Erstimpfungen. Hausarzt Skuras ist froh, dass er bis jetzt noch keinen Impfwilligen abweisen musste.

Doch er räumt auch ein: "Wir kommen an unsere Grenzen." Neben dem Stress setzen ihm die vielen Covid-Kranken zu, die seine Praxis besuchen - für ihn und sein Team eine zusätzliche Gefahr.

Internistin Astrid Albert (39) verteilte auch am gestrigen Freitag viele Booster-Impfungen.
Internistin Astrid Albert (39) verteilte auch am gestrigen Freitag viele Booster-Impfungen.  © Sven Gleisberg

Klinikum Chemnitz sucht dringend Pfleger

Das Klinikum operiert nur noch absolute Notfälle.
Das Klinikum operiert nur noch absolute Notfälle.  © Sven Gleisberg

Damit möglichst schnell die Impfquote steigt, wünscht er sich Unterstützung von Land und Bund. Gemeinsam mit den Hausärzten müsse die Regierung ein konkretes Konzept entwickeln.

"Aber die Entscheidungen laufen über unsere Köpfe hinweg." Doch trotz der großen Belastung hält er fest: "Es ist gut, dass die Nachfrage nach Impfungen so groß ist."

Damit das so bleibt, sei ein Lockdown für Ungeimpfte das beste Mittel. Allerdings könnte die Nachfrage bald ohnehin weiter steigen - falls die Impfung für Kinder ab fünf Jahren kommt.

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Ein Hilfeschrei: Das Klinikum sucht händeringend nach Pflegern, operiert nur noch in Notfällen - und bekommt nun Unterstützung von Bundeswehr-Soldaten.

Klare Worte vom Ärztlichen Direktor Ralf Steinmeier (62): "Die Lage spitzt sich aktuell zu und kann als katastrophal bezeichnet werden." Aktuell seien nur noch vier von 16 OP-Sälen in Betrieb, das Personal werde auf der Intensivstation gebraucht. Zur Unterstützung sind gestern 15 Soldaten aus Thüringen ans Klinikum gekommen - sie sollen helfen, trotz fehlender medizinischer Ausbildung.

Pflege-Personal wird dringend gesucht, weitere Infos unter der Telefonnummer. 0371/33 33 32 64 oder pflege@skc.de.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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