Chemnitzer Stasi-Knast wird Lern- und Gedenkort

Chemnitz - Ein Hafttrakt des ehemaligen Chemnitzer Kaßberg-Gefängnisses wird bis Herbst 2022 in einen Lern- und Gedenkort umgebaut. Eine Dauerausstellung soll an die Schicksale politischer Häftlinge erinnern. Gestern erfolgte der erste Spatenstich für das 3,8 Millionen Euro teure Projekt.

Zeitzeuge Michael Schlosser (77), Markus Franke (43) vom Kulturministerium, OB Sven Schulze (50, SPD), Vereinsvorstand Jürgen Renz (47) und Cegewo-Chef Jens Kroll vollführen den ersten Spatenstich.
Zeitzeuge Michael Schlosser (77), Markus Franke (43) vom Kulturministerium, OB Sven Schulze (50, SPD), Vereinsvorstand Jürgen Renz (47) und Cegewo-Chef Jens Kroll vollführen den ersten Spatenstich.  © Uwe Meinhold

"Dank der umfangreichen Förderung durch die Bundesrepublik, den Freistaat und die Stadt Chemnitz kann der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis die künftige Gedenkstätte am historischen Ort errichten", freute sich Vereinsvorsitzender Jürgen Renz (47) über den Baustart.

Auf rund 1900 Quadratmetern und vier Etagen werden Infotafeln, Videos und nachgebaute Zellen künftig an die Opfer der politischen Verfolgung durch die Nazis, den sowjetischen Geheimdienst und die Stasi erinnern. Daneben sind ein Außenrundgang, ein Café, Sonderausstellungs-Flächen und Seminarräume geplant.

Ein Schwerpunkt wird auf die mehr als 33.000 Häftlinge gelegt, die zwischen 1963 und 1989 von der Bundesrepublik aus der DDR freigekauft wurden. Dazu zählt der gebürtige Triptisser Michael Schlosser (77).

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Der ehemalige Fuhrparkleiter wollte 1983 mit einem selbst gebauten Flugzeug in die BRD flüchten, wurde aber von Kollegen beim DDR-Fernsehen verraten. Er saß von Oktober bis Dezember 1984 auf dem Kaßberg ein. "Für mich war es das Tor zur Freiheit, nur der Weg dahin war steinig und hart. Ich war in einer Zelle mit fünf weiteren Häftlingen. Es war sehr beengt.“

Michael Schlosser zeigt seine Geruchskonserve - die Stasi spürte damit früher Regimegegner auf.
Michael Schlosser zeigt seine Geruchskonserve - die Stasi spürte damit früher Regimegegner auf.  © Uwe Meinhold
Auf dem Gelände des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses soll bis Herbst 2022 ein neuer Lern- und Gedenkort entstehen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses soll bis Herbst 2022 ein neuer Lern- und Gedenkort entstehen.  © Uwe Meinhold
Michael Schlosser wollte mit einem selbstgebauten Flugzeug in die BRD flüchten - vom Kaßberg-Gefängnis aus wurde er in den Westen verkauft.
Michael Schlosser wollte mit einem selbstgebauten Flugzeug in die BRD flüchten - vom Kaßberg-Gefängnis aus wurde er in den Westen verkauft.  © Uwe Meinhold

Oberbürgermeister Sven Schulze (50, SPD) betonte, wie wichtig es sei, mit dem Lern- und Gedenkort an die Verbrechen der Diktaturen zu erinnern: "Das Kaßberg-Gefängnis war ein Ort der Unterdrückung von Menschen, anderen Meinungen und anderen Positionen."

Titelfoto: Uwe Meinhold

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