Chemnitzer Turnaffäre: Trainerin Frehse kritisiert deutschen Verband

Chemnitz/Berlin - Rund drei Wochen nach Veröffentlichung des Gutachtens zu Missbrauchsvorwürfen gegen Gabriele Frehse hat die Chemnitzer Turn-Trainerin das Vorgehen des Deutschen Turner-Bunds (DTB) kritisiert. Die seit zwei Monaten suspendierte Trainerin der Olympia-Dritten Sophie Scheder wirft dem Verband vor, rechtliche Grundprinzipien zu verletzen.

Turn-Trainerin Gabriele Frehse (60) wies alle Vorwürfe zurück.
Turn-Trainerin Gabriele Frehse (60) wies alle Vorwürfe zurück.  © Kristin Schmidt

Laut einem Gutachten hat Turn-Trainerin Gabriele Frehse "schwerwiegende Pflichtverletzungen" in 17 Fällen begangen. Der Deutsche Turner-Bund fordert daher ihre Entlassung. Die Trainerin äußert Vorwürfe gegen den Verband.

Ihr werde durch den DTB die Einsicht in den Untersuchungsbericht verwehrt, der als Grundlage für die Forderung des Verbands dient, sie zu entlassen.

"Leider wird mir das von den Anwälten des DTB auch heute, drei Wochen nach Vorliegen des Berichts, noch immer verweigert", sagte sie in einem Statement, das zuerst das Online-Portal gymmedia.de veröffentlichte.

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Dies habe mit einem fairen Verfahren nichts zu tun. Laut der vom DTB beauftragten Anwaltskanzlei liegen "in 17 Fällen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin" vor.

Der DTB begründet sein Vorgehen mit dem Datenschutz. "Dies beruht auf dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, der Wahrung von der Untersuchungskommission zugesagter Anonymität und auch darüber hinaus dem Schutz der Personen, die sich der Untersuchungskommission anvertraut haben", hieß es vom DTB auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Gutachten liegt auch dem Olympiastützpunkt Sachsen nicht vor

Frau Frehse sei am Abend vor der Veröffentlichung des Gutachtens über die Vorwürfe gegen sie vorab informiert worden, teilte der DTB zudem mit. Auch sei eine entsprechende "Aufklärung" im Rahmen der Befragung von Frau Frehse während der unabhängigen Untersuchung erfolgt.

Auch dem Olympiastützpunkt Sachsen als Arbeitgeber von Frehse liegt das 200 Seiten umfassende Gutachten bisher nicht vor. "Es wurde schon mehrfach angefordert, doch es ist nichts passiert", sagte OSP-Chef Thomas Weise der Freien Presse.

Es werde derzeit geprüft, inwiefern der Untersuchungsbericht dem OSP zur Verfügung gestellt werden können. "Auch hier sind die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten", teilte der DTB mit.

Nach einer Untersuchung durch eine Frankfurter Kanzlei hatte der DTB "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten Frehse vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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