Demo in Chemnitz: Körpernahe Dienstleister sind sauer!

Chemnitz - Demo in Chemnitz! Kosmetikerinnen, Tätowierer und Nagelstylistinnen: Sie alle haben von dem Öffnungs-Wirrwarr die Nase voll.

Über 80 Branchen-Vertreter der körpernahen Dienstleistungen demonstrierten am Donnerstag vor dem Roten Turm in Chemnitz.
Über 80 Branchen-Vertreter der körpernahen Dienstleistungen demonstrierten am Donnerstag vor dem Roten Turm in Chemnitz.  © Uwe Meinhold

Ihren Unmut brachten über 80 Branchen-Vertreter am Donnerstag bei einer Kundgebung vor dem Roten Turm in Chemnitz zum Ausdruck. Die Forderung: Läden wieder öffnen.

Andreas Schönfeld (59), Vize der hiesigen Handwerkskammer, kritisierte die Ungleichbehandlung zwischen Friseuren und anderen körpernahen Dienstleistern.

"Wir wollen wieder arbeiten!", sagte er stellvertretend für die ganze Branche. Außerdem forderte er schnellere und zuverlässigere Hilfen.

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Er erinnerte daran, dass allein in der Kosmetikbranche 1013 Betriebe mit 4315 Mitarbeitern in der Handwerkskammer registriert sind. "Es kann einfach nicht sein, dass wir Kosmetikerinnen Stück für Stück unsere Existenz verlieren", so Carmen Lindner (58) bei ihrer Begrüßungsrede.

Besonders schmerzlich: Viele der Betroffenen sind ehemalige Zöglinge, die die 58-Jährige während ihrer langen Zeit als Kosmetik-Lehrerin ausgebildet hat.Schon nach dem ersten Lockdown habe man investiert, Hygienekonzepte umgesetzt, Kunden reduziert. Wartebereiche wurden umgebaut, manche Betriebe setzten auf Schichtarbeit, um die Kundschaft zu entzerren. "Warum macht man uns dann zu?"

Nun befinde die Branche sich in einer Notlage. Bei vielen reichten die Rücklagen nicht mehr aus. Die Hilfen kämen viel zu spät an und deckten teilweise nur die Fixkosten ab. "Von was sollen wir leben?", fragte Carmen Lindner.

Vermieter interessiere die Notlage nicht. Das Finanzamt auch nicht, das weiter Steuern erhebe. Tätowierer Nico Reinhold (30) erzählte im Gespräch mit TAG24, dass die Kunden eigentlich Schlange ständen - er sie aber nicht tätowieren dürfe. Er habe 50 Namen auf der Warteliste, obwohl er diese immer wieder einmal aufräume. Wie er sich über Wasser hält? "Rücklagen und Grundsicherung, als Angestellter bekomme ich ja keine Corona-Hilfen. Gerade bin ich dabei, mir einen zweiten Job zu suchen."

Tätowierer Nico Reinhold (30).
Tätowierer Nico Reinhold (30).  © Uwe Meinhold

Testpflicht würde Kunden abschrecken

Kosmetikerin Carmen Lindner (58).
Kosmetikerin Carmen Lindner (58).  © Uwe Meinhold

Nagelpflegerin Désirée Rother erklärt, dass die Testpflicht - wenn denn die Läden wieder teilöffnen dürfen - die Kundschaft verschrecke. "Etliche Kunden hatten ihre Termine wieder bei mir abgesagt, als wir noch geöffnet hatten. Sie wollten sich nicht testen lassen."

Kosmetikerin Carmen Lindner habe die Botschaft der erneuten Schließung auf besonders niederschmetternde Weise erfahren.

"Gerade waren die Prüfer vom Ordnungsamt da. Am Ende der erfolgreichen Kontrolle sagten mir sie dann: ,Ihren Laden müssen Sie übrigens in den nächsten Tagen wieder schließen.'"

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Für Lindner sei es höchste Zeit, ein Zeichen zu setzen, gehört zu werden. Teilnehmer der Veranstaltung waren aufgefordert, ihre Sorgen und Nöte in einem Brief zu schildern. Der wurde im Anschluss an das Sekretariat von Oberbürgermeister Sven Schulze (49, SPD) übergeben. Damit er die Schreiben mit nach Dresden zur Landesregierung mitnimmt.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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