Immer mehr Chemnitzer leben ohne Wohnung: Vor allem Männer sind davon betroffen

Chemnitz - Die Zahl von Chemnitzern ohne Wohnung ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Eine Besonderheit: Corona hat darauf nur wenig Einfluss. Außerdem sind weiterhin mehr Männer als Frauen betroffen.

Der Leiter der Wohnungsnotfallhilfe, Alfred Mucha (54), vor dem Tagestreff Haltestelle. Hier können sich wohnungslose Chemnitzer eine Postadresse einrichten lassen.
Der Leiter der Wohnungsnotfallhilfe, Alfred Mucha (54), vor dem Tagestreff Haltestelle. Hier können sich wohnungslose Chemnitzer eine Postadresse einrichten lassen.  © Sven Gleisberg

"Allein den Tagestreff "Haltestelle" besuchten im Jahr 2020 insgesamt 615 unterschiedliche Personen, die entweder wohnungslos sind oder in Armutsverhältnissen leben: 434 Männer und 177 Frauen. Zum Vergleich: 2019 waren es insgesamt 571 Personen", sagt Alfred Mucha (54), Leiter der Wohnungsnotfallhilfe Chemnitz.

Weil Wohnungssuchende immer eine Postadresse angeben müssen, so müssen dies auch Menschen bei der Wohnungsnotfallhilfe tun. 141 Menschen richteten 2020 eine Postadresse beim Tagestreff Haltestelle ein. Laut Statistik wäre das eine Person weniger als im Vorjahr. Die Corona-Pandemie spielte bei der Nutzung von Postadressen somit keine große Rolle.

Das Altersspektrum der Wohnungslosen in Chemnitz ist breit gefächert. Am größten ist die Zahl zwischen dem 27. und 40. (insgesamt 66) und dem 41. bis 60. Lebensjahr (44). Weiterhin auffällig ist die überwiegende Anzahl an wohnungslosen Männern.

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Sozialarbeiterin Lisa Hansel (28) sagt dazu: "Es gibt einerseits in Armut lebende Frauen, die ein Dach über dem Kopf haben, allerdings in einer Beziehung leben, die von Gewalt und sozialer Verwahrlosung geprägt ist. Solche Frauen leben dann lieber in Gefahr, als die Wohnung zu verlassen. Andererseits gibt es einige Frauen, die sich an uns wenden, um der Wohnungslosigkeit zu entgehen."

Sozialarbeiterin Lisa Hansel (28) berät Wohnungslose in der Diakonie mit Hilfsangeboten.
Sozialarbeiterin Lisa Hansel (28) berät Wohnungslose in der Diakonie mit Hilfsangeboten.  © Sven Gleisberg

Hier gibt es in Chemnitz Hilfe

Die Zahl an Wohnungslosen in Chemnitz steigt weiter an. Obdachlose Menschen, die sich nicht behördlich melden, werden auch nicht erfasst.
Die Zahl an Wohnungslosen in Chemnitz steigt weiter an. Obdachlose Menschen, die sich nicht behördlich melden, werden auch nicht erfasst.  © Kay Nietfeld

Der Winter naht: Die Stadt Chemnitz informiert deshalb über Hilfen für Obdachlose. Diese können etwa im Wohnprojekt Eins untergebracht und, wenn sie möchten, sozialpädagogisch unterstützt werden.

Stand Ende September lebten dort 34 Personen. Zehn davon nutzten die Notunterkunft im Nachtquartier.

Weiterhin gibt es den Tagestreff "Haltestelle" für Menschen ohne eigene Wohnung. Im Haushalt der Stadt sind 2021 für die verschiedenen Hilfen circa 1,9 Mio. Euro eingeplant.

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Sollte sich die Situation im Winter zuspitzen, gebe es die Möglichkeit, weitere Übernachtungsplätze zu schaffen.

Titelfoto: Kay Nietfeld

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