Nur noch Männer an der Rathaus-Spitze: Braucht Chemnitz eine Bürgermeisterin?

Chemnitz - Chemnitz hat eine Chefstelle zu vergeben: Nach dem Wechsel von Kämmerer Sven Schulze (48, SPD) ins Büro des Oberbürgermeisters wird ein neuer Bürgermeister für Finanzen, Personal und Feuerwehr gesucht. Wenn es nach Wunsch der weiblichen Stadträte geht, sollte der neue Bürgermeister eine Frau werden.

Findet reine Männerriegen "retro": Linken-Ratsfrau Susanne Schaper (42).
Findet reine Männerriegen "retro": Linken-Ratsfrau Susanne Schaper (42).  © Kristin Schmidt

Denn im Rathaus herrscht derzeit Männerwirtschaft! 

Nach dem Ruhestand von Barbara Ludwig (58, SPD) gibt es in Chemnitz vier männliche Bürgermeister. 

Zudem sind aktuell 18 von 26 Amtsleitern Männer.

Susanne Schaper (42, Linke) sieht dringenden Handlungsbedarf: "Die Männerübermacht in Führungspositionen zeigt, wie retro Chemnitz teilweise noch ist." Ihre Mindestanforderung: "Eine Kämmerin sollte zählen können." 

Für ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter ist auch Christin Furtenbacher (35, Grüne): "Unterschiedliche Perspektiven sind in der Führung wichtig." 

Sven Schulze darf seine Nachfolgerin nicht bestimmen

Setzt beim neuen Kämmerer vor allem auf Qualifikation: CDU-Ratsfrau Solveig Kempe (40).
Setzt beim neuen Kämmerer vor allem auf Qualifikation: CDU-Ratsfrau Solveig Kempe (40).  © Kristin Schmidt

Solveig Kempe (40, CDU) warnt: "Kompetent sollte er oder sie sein. Wer bei der Besetzung nur auf das Geschlecht achtet, schadet der Stadt." 

Wilma Meyer (46, SPD) hingegen will auf beides achten: "Nur Männer wäre so was von Neunziger!"

Ab Dezember muss die Stadt die Stelle ausschreiben, die Entscheidung fällt im Stadtrat. 

Sven Schulze darf seine Nachfolgerin nicht bestimmen, eine Meinung hat er aber schon: "Bei gleicher Eignung hätte eine Frau gute Chancen im Stadtrat." 

Der Stadtrat wird Sven Schulze (48, SPD) als neuen Oberbürgermeister wählen.
Der Stadtrat wird Sven Schulze (48, SPD) als neuen Oberbürgermeister wählen.  © Haertelpress/Harry Härtel

Von Heidemarie Lüth bis "Kahlschlag-Herma": Starke Frauen im Rathaus

Petra Wesseler (heute 57) war von 2002 bis 2015 Baubürgermeisterin in Chemnitz.
Petra Wesseler (heute 57) war von 2002 bis 2015 Baubürgermeisterin in Chemnitz.  © Peter Zschage

Wenn Barbara Ludwig (58, SPD) Ende Oktober als Oberbürgermeisterin abritt, ist die Chemnitzer Bürgermeisterriege frauenlos. Doch schon vor Ludwig gab es starke Frauen in der Verwaltung.

Petra Wesseler (57, parteilos) kämpfte als Baubürgermeisterin von 2002 bis 2015 für einen Innenstadtumbau. 

Heidemarie Lüth (73, Linke) war bis 2011 Sozialdezernentin. Bei ihrer Wahl 2005 setzte sie sich gegen Pia Findeiß (64, SPD) durch - heute (noch) Oberbürgermeisterin in Zwickau.

Berühmt und berüchtigt: Grünflächenamtsleiterin Herma Heinze (heute 68) pflanzte 2000 mit Umweltbürgermeister Gerd Bochmann Stieleichen.
Berühmt und berüchtigt: Grünflächenamtsleiterin Herma Heinze (heute 68) pflanzte 2000 mit Umweltbürgermeister Gerd Bochmann Stieleichen.  © Thomas Kretschel

Ingrid Mössinger (78) trug als Leiterin der Kunstsammlungen (1996 bis 2018) den Namen Chemnitz in die Welt. Petra Borges leitete bis 2008 auf resolute Art das Kulturamt. Unvergessen ist auch die frühere Chefin des Grünflächenamtes, Herma Heinze (68). Berüchtigt als "Kahlschlag-Herma", ließ sie sich 2015 mit "Goldenem Handschlag" (260.000 Euro) vorzeitig in Ruhestand schicken. 

Titelfoto: Kristin Schmidt, Haertelpress/Harry Härtel

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