Rollstuhlfahrer haben es schwer in Chemnitz

Chemnitz - Wer körperlich beeinträchtigt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, der hat es in Chemnitz nicht leicht. Menschen wie Gisela Lindner (80) haben im öffentlichen Personennahverkehr ihre Schwierigkeiten. Die Stadt und CVAG zeichnen ein anderes Bild der Lage.

Rollstuhlfahrerin Gisela Lindner (80) wurde laut eigenen Aussagen an der Haltestelle Ernst-Wabra-Straße von der Straßenbahn nicht mitgenommen.
Rollstuhlfahrerin Gisela Lindner (80) wurde laut eigenen Aussagen an der Haltestelle Ernst-Wabra-Straße von der Straßenbahn nicht mitgenommen.  © Uwe Meinhold

Gisela Lindner wohnt seit einem Jahr in einem Chemnitzer Pflegeheim. Sie ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Kürzlich wurde sie nach eigenen Aussagen drei Mal von vorbeifahrenden Straßenbahnen ignoriert - trotz wiederholten Bemerkbarmachens durch Winken. Aber das sei noch nicht alles: "Der Abstand zwischen Straße und Straßenbahn ist zu hoch. Außerdem sind zum Beispiel die Fußwege im Heckertgebiet katastrophal und müssten ausgebaut werden. Früher war dies besser", so Lindner.

Juliane Kirste (37) von der CVAG widerspricht dem in Teilen. "Unsere Fahrzeuge fahren alle niederflurig und lassen sich bei Bedarf absenken. Straßenbahnen und Busse besitzen Rampen, die für Rollstuhlfahrer ausgefahren werden können."

Die Chemnitzer Grünen-Politikerin Karola Köpferl (31), die sich für mehr Barrierefreiheit einsetzt, betont: "Der barrierefreie Weg mit der Tram in die Stadt ist möglich, allerdings erreicht man zum Beispiel die Haltestelle am Busbahnhof nicht gut, wegen barrierehafter Bordsteine. In manchen Stadtteilen fängt das schon mit der nicht vorhandenen Beschilderung an, was dazu führt, dass Autos auf dem Gehweg parken" sagt Köpferl.

Laut CVAG sind die Busse in der Stadt auch für Rollstuhlfahrer geeignet.
Laut CVAG sind die Busse in der Stadt auch für Rollstuhlfahrer geeignet.  © Uwe Meinhold
Barrierefreiheit sieht anders aus: Gisela Lindner kann den Bordstein am Fußweg der Johannes-Dick-Straße mit ihrem Rollstuhl nicht überwinden.
Barrierefreiheit sieht anders aus: Gisela Lindner kann den Bordstein am Fußweg der Johannes-Dick-Straße mit ihrem Rollstuhl nicht überwinden.  © Uwe Meinhold
Karola Köpferl (31, Grüne) setzt sich für mehr Barrierefreiheit ein.
Karola Köpferl (31, Grüne) setzt sich für mehr Barrierefreiheit ein.  © Uwe Meinhold

Die Stadt gibt an, dass das Parken auf Gehwegen grundsätzlich nicht erlaubt sei. Ausnahmen sind mit einer entsprechenden Beschilderung vor Ort gekennzeichnet. Eine Beschilderung barrierefreier Wege sei in der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen und somit auch nicht möglich.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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