Schillingsche Figuren nun winterfest: Doch Klimawandel bedroht auch die Kunst im Chemnitzer Park

Chemnitz - Alle Jahre wieder: Das Figurenensemble "Vier Tageszeiten" im Park am Schlossteich in Chemnitz erhielt am Mittwoch erneut einen Glasschutz, um vor dem Winter geschützt zu werden. Langfristig könnte das nicht reichen - der Klimawandel bedroht die Kunstwerke.

Die "Vier Tageszeiten" wurden am Mittwoch eingehaust.
Die "Vier Tageszeiten" wurden am Mittwoch eingehaust.  © Ralph Kunz

Die von Johannes Schilling (1828 bis 1910) entworfenen Figuren werden auch in diesem Jahr mit einem Schutz aus Acrylglas gegen die Witterung eingehaust. Grund: Wasser könne eindringen und bei Frost den Sandstein sprengen. Doch nicht nur gegen Kälte müssen die Figuren aus Sandstein geschützt werden, sondern auch gegen Wärme.

Auf Anfrage von TAG24 sah die Stadt keine Gefahr für die wertvollen Figuren durch den Klimawandel. Vor allem vor großer Hitze sei die Kunst im Schlossteichpark gut geschützt. Fachleute sind anderer Meinung.

Durch die Erwärmung werde es zu extremerem Wetter kommen: "Das führt dazu, dass Figuren häufiger feucht werden. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich Organismen auf den Figuren niederlassen wie Pilze, Flechten und Moose", sagt Andreas Massanek (61), Geschäftsführer der Sammlung "terra mineralia" Freiberg.

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Prof. Heiner Siedel (61), Geologe an der TU Dresden, rät dazu, einen "kühlen Kopf" zu bewahren und nicht in Aktionismus zu verfallen. Der Klimawandel wirke sich bei den Schillingschen Sandsteinfiguren nicht sofort aus. Die Stadt müsse eventuelle Veränderungen aber beobachten.

Die 2019/20 tobende Standortdebatte um die Schillingschen Figuren hat sich gelegt. Es gibt derzeit keine Pläne mehr, die Kunstwerke zum Beispiel an den Theaterplatz zu versetzen.

Andreas Massanek (61) befürchtet, dass sich durch Feuchtigkeit Organismen auf den Figuren niederlassen und es somit zu Schäden kommt.
Andreas Massanek (61) befürchtet, dass sich durch Feuchtigkeit Organismen auf den Figuren niederlassen und es somit zu Schäden kommt.  © TU Bergakademie Freiberg/D. Müller
Das Acrylglas soll die Sandstein-Statuen vor Frost schützen.
Das Acrylglas soll die Sandstein-Statuen vor Frost schützen.  © Ralph Kunz
Das Ensemble "Vier Tageszeiten" am damaligen Königsplatz in Chemnitz während der Kaiserzeit.
Das Ensemble "Vier Tageszeiten" am damaligen Königsplatz in Chemnitz während der Kaiserzeit.  © picture alliance/ullstein bild

Darum stehen die Originale nicht mehr in Dresden

Die Bronzeabgüsse an der Brühlschen Terrasse in Dresden.
Die Bronzeabgüsse an der Brühlschen Terrasse in Dresden.  © Steffen Füssel

Auch in der Landeshauptstadt sind die Schillingschen Figuren zu finden - dort allerdings nur als Kopie. Sie stehen entlang der großen Freitreppe am Schlossplatz. Wer von dort zur Brühlschen Terrasse hinauf will, kommt an ihnen vorbei.

Genau genommen ist das ihr angestammter Platz. Denn die ersten Schillingschen Figuren wurden in Dresden aufgestellt. Bildhauer Johannes Schilling (1828-1910) hatte einen entsprechenden Wettbewerb von 1860 gewonnen.

1868 wurden am Fuß der Treppe zunächst der "Abend" und die "Nacht" aufgestellt, zwei Jahre später folgten oben der "Morgen" und der "Mittag" - damals alles noch Sandsteinfiguren. Denen setzte allerdings das feuchte Elbklima so zu, dass bis 1908 Bronzeabgüsse genommen und aufgestellt wurden.

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Die empfindlichen Originale schenkte König Albert von Sachsen der Stadt Chemnitz, wo sie ab 1909 den Königsplatz (heute Theaterplatz) schmückten. Seit 1936 stehen sie am Schlossteich, weil sie dem Bau des Hotels Chemnitzer Hof weichen mussten.

Titelfoto: Ralph Kunz

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