So trotzen Chemnitzer Buchhändler der Krise

Chemnitz - Lesefreunde aller Länder feiern am Freitag den Welttag des Buches. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie kommen Chemnitzer Buchhändler durch die Krise? Das Ergebnis ist überraschend positiv: Buchkäufer bleiben dem lokalen Handel treu, bei vielen führt der Lockdown sogar zu einem Lese-Boom.

Elke Ebert (60) verkauft in der "Buchhandlung am Brühl" den neuen Chemnitz-Roman "Kaßbergen" von Patricia Holland Moritz.
Elke Ebert (60) verkauft in der "Buchhandlung am Brühl" den neuen Chemnitz-Roman "Kaßbergen" von Patricia Holland Moritz.  © Kristin Schmidt

Im "MonOkel"-Buchladen in der Innenstadt bleibt die Stimmung zuversichtlich: "Die Menschen, die zu uns kommen, investieren großzügiger als vorher ins Buch", sagt Mitarbeiterin Mica Kempe (44). "Wir haben in der Krise auch neue Kundschaft gewonnen."

Viele würden jetzt verstärkt örtliche Geschäfte unterstützen, statt im Internet zu bestellen. Corona wirke sich auch auf den Buchgeschmack aus: "Wenn Geschenke gesucht werden, dann meist Bücher mit wenig Aufregung und Dramatik. Da merkt man, wie wund die Menschen sind."

Auch die "Buchhandlung am Brühl" trotzt der Krise: "Unsere Kunden sind solidarisch", sagt Inhaber Günther Ebert (66). Als sein Laden im Winter schließen musste, haben er und Elke Ebert (60) Bücher nach Hause geliefert. "Dadurch, dass die Leute mehr Zeit haben, werden auch mehr Romane verkauft."

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Die Buchhandlung "Lessing und Kompanie" auf dem Kaßberg hatte Verluste durch den Lockdown, merkt aber auch eine erfreuliche Veränderung: "Es wird jetzt verstärkt zum Buch gegriffen", sagt Inhaber Klaus Kowalke (53). "Einen ganz großen Zugewinn hat die Kinder- und Jugendliteratur."

Im Antiquariat Max Müller in der Dresdner Straße hingegen bleiben die Kunden aus. Inhaber Wolfgang Gebhardt (61): "Viele meiner besten Kunden sind Auswärtige - die kommen einfach nicht mehr."

Mica Kempe (44, r.) berät im "MonOkel"-Buchladen eine Kundin.
Mica Kempe (44, r.) berät im "MonOkel"-Buchladen eine Kundin.  © Kristin Schmidt
Mica Kempe (44) zeigt vor dem "MonOkel" das aufwendig gestaltete Buch "Albert Einsteins Relativitätstheorie".
Mica Kempe (44) zeigt vor dem "MonOkel" das aufwendig gestaltete Buch "Albert Einsteins Relativitätstheorie".  © Kristin Schmidt
"Lessing und Kompanie"-Inhaber Klaus Kowalke (53) vor der beliebten Kinder- und Jugendliteratur.
"Lessing und Kompanie"-Inhaber Klaus Kowalke (53) vor der beliebten Kinder- und Jugendliteratur.  © Maik Börner

Regionale Autoren lesen aus ihren Werken

Der Chemnitzer Autor Stefan Tschök (64) hat gleich zwei Podcasts eingelesen.
Der Chemnitzer Autor Stefan Tschök (64) hat gleich zwei Podcasts eingelesen.  © Sven Gleisberg

Der Welttag des Buches wird auch in Aue-Bad Schlema gefeiert - mit Vorlese-Podcasts regionaler Autoren.

Für die Aktion "Aue-Bad Schlema hört!" haben unter anderem die Thalheimer Autorin Claudia Curth (46) und Stadtsprecherin Jana Hecker (55) selbst geschriebene Geschichten eingelesen.

Mit dabei ist auch das Chemnitzer Multitalent Stefan Tschök (64). Von ihm gibt es gleich zwei Erzählungen zu hören: In "Die Geschichten der Käfer" interpretiert er Kafkas "Verwandlung" neu.

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In "Früher war alles besser" zeigt er auf humorvolle Weise, dass diese Weisheit nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. "Ich finde, das ist ein wunderschönes Format", sagt der Autor über die Podcasts.

Die Geschichten gibt es ab Freitag >>>hier zu hören.

Titelfoto: Maik Börner

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