Solarzellen und E-Ladestationen: Chemnitz ist (noch nicht ganz) auf dem ökologischen Weg

Chemnitz - Solarzellen auf allen Chemnitzer Dächern und E-Ladesäulen vor jeder Wohnungstür? Ein Traum für den Bundestagskandidaten Bernhard Herrmann (55, Grüne).

Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (55, l.) hat schon seine Wallbox vor dem Haus - gespeist vom Solarstrom auf dem Dach. Ringo Lottig (55) bringt die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft auf den ökologischen Weg.
Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (55, l.) hat schon seine Wallbox vor dem Haus - gespeist vom Solarstrom auf dem Dach. Ringo Lottig (55) bringt die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft auf den ökologischen Weg.  © Kristin Schmidt, Uwe Meinhold

"Denkbar wäre, dass zum Beispiel die eins energie Vermietern Solardächer und Wallboxen kostenlos anbietet" - Refinanzierung über die Stromerzeugung.

Während sich Großvermieter GGG mit so einem Konzept noch nicht befasst hat, hat sich Ringo Lottig (55), Chef der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft CSg, schon auf den ökologischen Weg gemacht: "Wir erzeugen auf 22 Solardächern bereits 600 kWp, die 73 Parkplätze an unserer ,Tanzenden Siedlung' sind allesamt mit E-Ladestationen ausgestattet. Wir haben unseren eigenen Fuhrpark auf E-Autos umgestellt und werden das Thema keinesfalls verschlafen."

René Hobusch (44), Präsident von Haus & Grund Sachsen sowie FDP-Bundestagskandidat, sieht vor der Energiewende bürokratische Hürden: "Viele Hausbesitzer würden mitmachen, werden aber zum Stromerzeuger mit steuerlichen Nachteilen. Wir brauchen Gesetze, die es jedem ermöglichen, einfach zur Energie- und Mobilitätswende beizutragen."

Für Bernhard Herrmann ein Thema im Bundestag. Er möchte das Konzept als Aufsichtsrat bei eins energie ansprechen: "Solardächer und Ladepunkte wären fürs Unternehmen eine gute Idee." Bei Eins war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Ökostrom - dank Solarplatten der Fasa AG ein Kinderspiel auch für die Natur-Kita Esche-Stift an der Forststraße.
Ökostrom - dank Solarplatten der Fasa AG ein Kinderspiel auch für die Natur-Kita Esche-Stift an der Forststraße.  © Uwe Meinhold
Vorreiter Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft: Auf ihren Dächern in der Albert-Schweitzer-Straße erzeugen Solarzellen eigenen CSg-Strom.
Vorreiter Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft: Auf ihren Dächern in der Albert-Schweitzer-Straße erzeugen Solarzellen eigenen CSg-Strom.  © Ralph Kunz
Solarstrom auf allen Dächern: Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (55) wirbt für neue Konzepte zur Energiewende.
Solarstrom auf allen Dächern: Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann (55) wirbt für neue Konzepte zur Energiewende.  © Imago Images/Sven Simon

Packen wir's an

Kommentar von Bernd Rippert

Die Energiewende und mit ihr eine neue, saubere Mobilität dulden keinen Aufschub mehr, wenn wir den Klimawandel stoppen wollen. Schön, wenn einzelne Bürger ihren Beitrag schon heute leisten, doch das Weltklima verlangt größere Lösungen.

Die Idee, alle Chemnitzer Dächer mit Solarzellen auszustatten und mit dem erzeugten Strom auch E-Ladesäulen vor jedem Haus zu speisen, ist wichtig. Und wenn der einzelne Hausbesitzer die Ausgaben scheut, klingt es beruhigend, wenn Großinvestoren wie die Eins Energie die Kosten vorläufig übernehmen - und ihren Aufwand über regelmäßige Energieeinspeisungen von den Dächern zurückzahlen lassen.

Bis der kühne Plan Wirklichkeit wird, muss die Berliner Politik ihre Gesetze gründlich überarbeiten. Bisher steht die Förderung sauberer Energie oft nur auf dem Papier. In der Realität schmeißt die Politik zum Beispiel den Hausbesitzern ständig (steuerliche und bürokratische) Knüppel zwischen die Beine.

Die Energie- und Mobilitätswende geht uns alle an. Damit sie funktioniert, muss sie einfach sein. Und nicht teuer. Packen wir's an.

Titelfoto: Imago Images/Sven Simon

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