"Mit Nazis spricht man eigentlich nicht": Kritik nach Kretschmer-Besuch in Frankenberg

Frankenberg - "Hau ab, hau ab" - das musste sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) am Dienstag bei einem Besuch in Frankenberg (Mittelsachsen) anhören. Etwa 200 Gegner der Corona-Maßnahmen versammelten sich, darunter auch etliche Anhänger der rechtsextremen "Freien Sachsen". Der Ministerpräsident ging auf die Demonstranten zu und versuchte mit ihnen zu sprechen. Dafür hagelt es nun Kritik.

Kein herzlicher Empfang: Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) wurde am Dienstag bei einem Besuch in Frankenberg von Corona-Gegnern ausgebuht. Dennoch versuchte er, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen.
Kein herzlicher Empfang: Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) wurde am Dienstag bei einem Besuch in Frankenberg von Corona-Gegnern ausgebuht. Dennoch versuchte er, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen.  © B&S/dpa

Am Dienstagnachmittag stieg der CDU-Politiker aus seinem schwarzen Regierungs-Auto. Schon von Weitem waren Buh-Rufe zu hören, die Stimmung war aufgeheizt und teilweise aggressiv.

Kretschmer ging an den wütenden Demonstranten vorbei, versuchte mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Doch Fehlanzeige! Die Gegner der Corona-Maßnahmen wimmelten ihn ab und waren nicht gesprächsbereit.

Da Kretschmer auf die Demonstranten zugegangen war und Gespräche gesucht hatte, steht er nun selbst in der Kritik. Der Linken-Fraktionsvorsitzende Rico Gebhardt (58) schimpft auf Twitter: "Wer sich hinter einem Transparent der 'Freien Sachsen' versammelt, mit dem muss man auch nicht das Gespräch suchen. Wirklich Herr @MPKretschmer, das sollte doch langsam auch Ihnen klar sein."

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Auch Lea Fränzle (25), Kreisrätin für die Grünen in Mittelsachsen, ist empört: "Wenn ich die selbsternannten 'Freien Sachsen' richtig verstehe, wollten sie den Ministerpräsidenten vorhin aus Frankenberg 'vertreiben'. Was macht er? Hingehen und Hände schütteln. Mit Nazis spricht man zwar eigentlich nicht, aber well played, Herr Kretschmer, well played..."

Und auch von den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, kommt Kritik: "Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein. Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt", schreibt ein Mitglied auf Twitter.

Kritik auf Twitter nach Kretschmer-Besuch in Frankenberg

Im Video: Michael Kretschmer wird in Frankenberg von Corona-Gegnern empfangen

Es gibt auch Lob: Michael Kretschmer habe Mut gezeigt

Doch der sächsische Regierungschef wurde für sein Handeln nicht nur angefeindet: Einige Twitter-Nutzer sprechen auch von einer mutigen Aktion. Der CDU-Politiker habe durch die Gesprächsbereitschaft Mut, Präsenz und Geduld gezeigt.

Anlass für den Kretschmer-Besuch war der diesjährige "Tag der Sachsen", der im September in Frankenberg stattfinden soll. Bürgermeister Thomas Firmenich (parteilos) hatte den sächsischen Ministerpräsidenten eingeladen, um über die Veranstaltung zu reden.

Titelfoto: B&S/dpa

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