Chemnitz: Klinikum vor Belastungsgrenze

Chemnitz - Corona-Chaos im Chemnitzer Gesundheitsamt: Die steigenden Fallzahlen seit Herbstbeginn haben die Behörde offensichtlich überfordert. In der zweiten Novemberwoche hatte sie keine neuen Todesfälle in die Statistik aufgenommen. Jetzt stellte sich heraus, dass es in Wirklichkeit 24 Todesfälle in dieser Zeit gab. Damit stieg die Gesamtzahl seit Pandemiebeginn innerhalb weniger Tage dramatisch - von 19 auf 43 Chemnitzer Corona-Tote!

Bürgermeister Ralph Burghart (50) lud am Donnerstag kurzfristig ins Rathaus. Dort gab er die "neuen" Todeszahlen bekannt.
Bürgermeister Ralph Burghart (50) lud am Donnerstag kurzfristig ins Rathaus. Dort gab er die "neuen" Todeszahlen bekannt.  © Ralph Kunz

Auch in der Kontaktnachverfolgung, beim Ausstellen von Quarantänebescheiden und der Erreichbarkeit für Bürger gab es erhebliche Probleme, wie Bürgermeister Ralph Burghart (50) am Donnerstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz einräumen musste.

Er hat das Amt deswegen neu organisiert.

"Wir wollen größtmögliche Transparenz schaffen", sagte er. "Daher ist es sehr bedauerlich, dass die Arbeit liegengeblieben ist."

Von den 24 Todesfällen ereigneten sich 13 in Kliniken, 10 in Pflegeheimen und einer im häuslichen Umfeld. Burghart betonte, dass sie sich auf mehrere Kliniken und Heime verteilten.

Es gebe also keinen einzelnen Hotspot und auch kein Fehlverhalten der Einrichtungen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei rund 89 Jahren.

Nach der Panne bekommt das Gesundheitsamt unter anderem Hilfe von der Bundeswehr.
Nach der Panne bekommt das Gesundheitsamt unter anderem Hilfe von der Bundeswehr.  © Ralph Kunz

Gesundheitsamt bekommt Verstärkung von Bundeswehr

Das Gesundheitsamt geriet bereits an seine Grenzen, nun befürchtet das Klinikum eine Überforderung.
Das Gesundheitsamt geriet bereits an seine Grenzen, nun befürchtet das Klinikum eine Überforderung.  © DPA/Robert Michael

"Das Versäumnis geschah aufgrund der Belastungssituation im Gesundheitsamt und Krankheitsausfällen von Mitarbeitern in entscheidenden Funktionen", erklärte Burghart die Verzögerung. Mit der Neuorganisation soll alles besser laufen.

Das Amt bekommt nun verstärkt externe Unterstützung: von der Bundeswehr, dem Land und der Stadtverwaltung. "Es gab den Wunsch von uns, schneller zu werden."

Das Klinikum Chemnitz steuert derweilen auf seine Belastungsgrenze zu. "Die Aufnahmekapazität ist begrenzt. Mit etwa 150 stationären Covid-19-Patienten im Klinikum Chemnitz besteht bereits eine große organisatorische Herausforderung", teilte ein Sprecher am Donnerstag mit

Nur das umsichtige Verhalten aller Bürger könne "eine absehbare Überlastung der Krankenhäuser" noch abwenden.

Titelfoto: DPA/Robert Michael

Mehr zum Thema Chemnitz Politik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0