Chemnitz droht Unterversorgung: Zahl der Hausärzte sinkt dramatisch

Chemnitz - Ein Rentner schlägt Alarm: Werner Klemm (75) aus dem Chemnitzer Ortsteil Markersdorf findet nach dem Ruhestand seiner langjährigen Hausärztin keinen neuen Mediziner im Heckertgebiet. Er sagt empört: "Ein Notstand!"

Rentner Werner Klemm (75) fand im Heckertgebiet keinen neuen Hausarzt.
Rentner Werner Klemm (75) fand im Heckertgebiet keinen neuen Hausarzt.  © Uwe Meinhold

Werner Klemm hat recht, wie eine Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) beweist.

Der Versorgungsgrad mit Hausärzten in Chemnitz sank von 2016 zu 2020 von 98,6 auf 84,9 Prozent. 39 Hausarztstellen waren im Oktober unbesetzt. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Sachsen hat "eine drohende Unterversorgung" offiziell festgestellt.

Die KVS will das Ruder herumreißen. Der Landesausschuss hat neben den bekannten Fördermaßnahmen wie "Hausarzt auf Probe" fast 900.000 Euro bereitgestellt, um Ärzte mit fetten Zuschüssen in die Stadt zu locken. Bei einer "priorisierten Förderstelle" winkten 100.000 Euro - diese Praxis ist bereits vergeben.

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Sechs von 13 weiteren Förderpraxen sind noch frei.

Die Arztversorgung ist nicht nur in der Stadt teilweise desolat. Im gesamten Direktionsbezirk Chemnitz sind laut KVS offene Hausarztstellen zu besetzen.Werner Klemm hat das Dilemma am eigenen Leib erlebt: "Als meine Ärztin im November in Ruhestand ging, gab sie mir eine Liste mit fünf Ärzten in der Umgebung. Doch keiner wollte neue Patienten aufnehmen."

Inzwischen fand der Chemnitzer im Zentrum eine Medizinerin. Doch Werner Klemm weiß: "Wenn ich nicht mehr Auto fahren kann, zuckel ich zum Arztbesuch eine Stunde mit dem Bus durch Chemnitz."

Titelfoto: Uwe Meinhold

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