Wer wird Chef von Chemnitz? Experte analysiert OB-Wahlplakate

Chemnitz - Am 20. September und 11. Oktober wählt Chemnitz einen neuen Oberbürgermeister - oder eine Oberbürgermeisterin. Die Parteien werben massiv, stellten für ihren jeweiligen Kandidaten insgesamt 285 Großplakate auf und hängten rund 12 250 Laternenbilder. Für TAG24 analysierte Politik- und Kommunikationsforscher Christopher M. Brinkmann (26) von TU Chemnitz und Medienhochschule Mittweida einige Plakate.

Almut Patt (51), CDU

"Auffällig sind die Grüntöne. Sie stehen für Naturverbundenheit und Wachstum. Das Wahlkampfmotto symbolisiert mit dem piktografischen "Lulatsch" als "I" Regionalverbundenheit, wirkt allerdings durch das weite Herausstehen unbeholfen. Das Bild der Kandidatin im Park fällt aus der Strategie (Website) heraus."

Almut Patt (51, CDU)
Almut Patt (51, CDU)  © PR

Sven Schulze (48), SPD

"Er verzichtet auf das Parteilogo, möchte die Stadt in den Vordergrund stellen. Sven Schulze zeigt sich als Vertreter der Menschen und spricht seine Wähler direkt an. Wiederkehrende Formen, Farben und Schriftarten lassen die Plakate abgestimmt wirken. Störend ist, dass das Bild der Ehrenamtlichen abgeschnitten wird."

Sven Schulze (48, SPD)
Sven Schulze (48, SPD)  © PR

Volkmar Zschocke (51), Grüne

"Die Plakate werden um Aussagen aus dem Wahlprogramm ergänzt. Wiederkehrende Elemente (Hintergrund, Farben, Formen) wirken abgestimmt. Auffällig sind Hashtags und Icons Sozialer Netzwerke - soll den Wahlkampf ins Netz verlängern. Im Vergleich zum Internet wirkt der Kandidat auf Plakaten überschminkt."

Volkmar Zschocke (51, Grüne)
Volkmar Zschocke (51, Grüne)  © PR

Lars Faßmann (43), parteilos

"Die Farbwahl wirkt abgestimmt. Problematisch zu lesen ist die weiße Schrift auf gelbem Grund. Das Schlagwort "Bürger" fällt auf, was die Rolle als parteiloser Kandidat unterstreicht. Anders als Mitbewerber präsentiert sich Lars Faßmann ohne Sakko und mit gekrempelten Ärmeln. Bildsprachlich für einen Macher."

Lars Faßmann (43, parteilos)
Lars Faßmann (43, parteilos)  © PR

Susanne Schaper (42), Linke

"Das fehlende Parteilogo fällt auf. Zur Strategie gehört der Aufruf zur Briefwahl. Susanne Schaper greift damit das Thema Sicherheit in Corona-Zeiten auf. Dass ein Bild durch eine Scheibe fotografiert ist, irritiert kurz, setzt sich allerdings optisch von Mitbewerbern ab. Das Gesprächsfoto ist abgeschnitten, das stört."

Susanne Schaper (42), Linke
Susanne Schaper (42), Linke  © PR

Ulrich Oehme (60), AfD

"Die AfD arbeitet mit nur einem Bildmotiv. Das kann Wiedererkennung erhöhen, schränkt Kommunikation aber ein. Auffallend: Die AfD verzichtet auf Plakaten auf das Parteilogo, nicht so im Internet. Das Bild vor dem Technischen Rathaus wirkt weniger wertig. Auch dass hier nicht das OB-Büro ist, ist irritierend."

Ulrich Oehme (60, AfD)
Ulrich Oehme (60, AfD)  © PR

Paul Vogel (29), Die Partei

"Er bedient sich früherer Partei-Formate (Rot und Weiß). Zudem etabliert er mit einem gelb-blauen Hintergrund neue Gestaltungselemente. Aus Sicht einer integrierten Kommunikationsstrategie sind die Plakate problematisch. Den Kandidaten mit Vogel auf der Hand zu zeigen, kommt mit einem Augenzwinkern daher."

Paul Vogel (29, Die Partei)
Paul Vogel (29, Die Partei)  © PR

Matthias Eberlein (50), Freie Wähler

"Das Foto des Kandidaten als Graustufenbild soll sich von den Mitbewerbern abheben. Das Wahlversprechen in weißer Schrift auf rotem Grund fällt als Kontrast auf, wirkt im Gesamtzusammenhang allerdings verloren."

Matthias Eberlein (50, Freie Wähler)
Matthias Eberlein (50, Freie Wähler)  © PR

Martin Kohlmann (42), Pro Chemnitz

"Es wird an die bekannte Gestaltung vergangener Wahlen angeknüpft und auf den Wiedererkennungswert gesetzt. Das Logo ist dominant platziert. Die waagerechte Plakatierung ist ungewöhnlich. Insgesamt sind die Plakate einfach gestaltet."

Martin Kohlmann (42, Pro Chemnitz)
Martin Kohlmann (42, Pro Chemnitz)  © PR
Politik- und Kommunikationsforscher Christopher M. Brinkmann (26) analysierte im Home-Office für TAG24 die Chemnitzer OB-Wahl-Plakate.
Politik- und Kommunikationsforscher Christopher M. Brinkmann (26) analysierte im Home-Office für TAG24 die Chemnitzer OB-Wahl-Plakate.  © Fabian Döll/5vision.media

Am 20. September findet die Oberbürgermeisterwahl in Chemnitz statt.

Titelfoto: Fabian Döll/5vision.media, PR

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