Chemnitzer Politikwissenschaftler über Corona-Demos: "Da läuft eine kleine Minderheit"

Chemnitz - Anti-Corona-Demos und Verschwörungstheorien: Damit befasst sich nun die TU Chemnitz. In ihrem aktuellen Wissenschafts-Podcast "TUCsciast" spricht Jun.-Prof. Dr. Tom Mannewitz über die ersten Erkenntnisse. 

Politikwissenschaftler Jun.-Prof. Dr. Tom Mannewitz von der TU Chemnitz untersucht die Anti-Corona-Bewegung. (Archivbild)
Politikwissenschaftler Jun.-Prof. Dr. Tom Mannewitz von der TU Chemnitz untersucht die Anti-Corona-Bewegung. (Archivbild)  © Sven Gleisberg

Bisher gebe es noch keine wissenschaftlich belastbare Zahlen und Daten, wer warum bei den Demos mitläuft, so Mannewitz. Allerdings könne man zunächst beobachten, dass die Demonstrationen keinen großen Teil der Bevölkerung ausmachen.

"Was da auf der Straße demonstriert, stellt immer noch eine kleine Minderheit dar", erklärt Mannewitz. "Der Großteil der Bevölkerung ist vielleicht auch kritisch eingestellt, steht aber im Großen und Ganzen immer noch positiv gegenüber den Corona-Maßnahmen".

Ob es Rechte, Linke, Verschwörungstheoretiker oder Bürger der Mitte sind, die da demonstrieren, könne man aktuell noch nicht sagen. Allerdings, so der Professor, könne man beobachten, dass die Gruppe der Demonstranten sehr heterogen ist. 

Heißt: Die Demonstranten kommen aus allen möglichen Bevölkerungsschichten und politischen Lagern. 

"Ich glaube ein Großteil machen tatsächlich diejenigen aus, die sich um ihre wirtschaftliche Existenz Sorgen machen. (...) Allerdings auch Leute, die sich um die Wahrung der Grundrechte sorgen." 

Aber auch Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme oder Rechtspopulisten seien bei den Demonstrationen zu beobachten.

In Chemnitz fanden bereits mehrmals Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen statt (Archivbild).
In Chemnitz fanden bereits mehrmals Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen statt (Archivbild).  © haertelpress / Harry Haertel

"Verschwörungstheoretiker sind eine kleine Minderheit"

Auch in Annaberg-Buchholz gab es Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. (Archivbild)
Auch in Annaberg-Buchholz gab es Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. (Archivbild)  © haertelpress / Harry Haertel

Auch Verschwörungstheorien machen aktuell die Runde. So will beispielsweise - den Verschwörungstheoretikern zufolge - Bill Gates die Menschheit "Zwangsimpfen".

Andere behaupten, dass die Regierung den Lockdown angeordnet habe, um den Mittelstand zu ruinieren. Dies äußerte beispielsweise eine Demonstrantin auf einer Chemnitzer Corona-Demo (TAG24 berichtete).

Allerdings habe es Verschwörungstheorien immer gegeben, auch in Nicht-Krisenzeiten, so Mannewitz.

Das Problem: Die Verschwörungstheorien bekämen durch die Medien große Aufmerksamkeit. Dadurch würde der Eindruck entstehen, dass viele an diese Theorien glauben.

"Aber es ist wieder ein kleiner Teil der Bevölkerung. Wir reden hier nicht davon, dass 20 Prozent daran glauben, dass Bill Gates Corona verursacht hat", erklärt Mannewitz.

Titelfoto: Sven Gleisberg / haertelpress / Harry Haertel

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