Chemnitzer Kultur-Großbau entfacht Finanz-Zoff: Scheitert das Projekt "Stadtwirtschaft" am Stadtrat?

Chemnitz - Die "Stadtwirtschaft" auf dem Chemnitzer Sonnenberg soll zum Hot-Spot der Kultur-Szene werden. Das Entwicklungs-Konzept ist fertig, die Fördermittel zum Greifen nah. Fehlt nur noch das grüne Licht vom Stadtrat. Der hat die Diskussion erneut verschoben (TAG24 berichtete). Steht das Millionen-Projekt jetzt auf der Kippe?

Hier soll bald das Kultur-Leben blühen: die "Stadtwirtschaft" auf dem Sonnenberg.
Hier soll bald das Kultur-Leben blühen: die "Stadtwirtschaft" auf dem Sonnenberg.  © Sven Gleisberg

In der "Stadtwirtschaft" sollen Künstler, Start-up-Unternehmen und sogar eine Auto-Werkstatt einziehen. Damit will der Sonnenberg, Heimat unter anderem der "Darstellenden Künste Chemnitz", weiter zur Kultur-Hochburg aufblühen.

Baubürgermeister Michael Stötzer (47, Grüne) wollte sein Konzept vorige Woche im Stadtrat vorstellen. Auf einen Antrag von CDU-Stadträtin Ines Saborowski (53) hin wurde das Projekt mit knapper Mehrheit von der Tagesordnung geworfen.

Saborowski begründet es mit einem Protest-Brief der ansässigen Mieter, die "in den ganzen Prozess nicht einbezogen worden sind".

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Stadtteilmanager Rocco Zühlke (43), der das Projekt begleitet, sieht kein Problem mit den bisherigen Mietern.

"Wir haben schon zusammen gegrillt und gequatscht, wir kommen sehr gut klar", sagt er.

Baubürgermeister Michael Stötzer (47, Grüne) durfte sein Konzept für den Kreativhof im Stadtrat nicht vorstellen.
Baubürgermeister Michael Stötzer (47, Grüne) durfte sein Konzept für den Kreativhof im Stadtrat nicht vorstellen.  © Uwe Meinhold
CDU-Stadträtin Ines Saborowski (53) warf mit ihrem Antrag die "Stadtwirtschaft" von der Tagesordnung.
CDU-Stadträtin Ines Saborowski (53) warf mit ihrem Antrag die "Stadtwirtschaft" von der Tagesordnung.  © Uwe Meinhold
Dietmar Berger (69, Linke) sieht das Projekt durch den Aufschub gefährdet.
Dietmar Berger (69, Linke) sieht das Projekt durch den Aufschub gefährdet.  © Kristin Schmidt
Kultur-Hochburg Sonnenberg: Das Zentrum für Darstellende Künste feierte hier 2019 seine Einweihung.
Kultur-Hochburg Sonnenberg: Das Zentrum für Darstellende Künste feierte hier 2019 seine Einweihung.  © Sven Gleisberg

AfD für Verschiebung, Linke will sofort bauen

AfD-Stadtrat Ronald Preuß (58) hat gegen die Präsentation des "Stadtwirtschaft"-Konzepts gestimmt.
AfD-Stadtrat Ronald Preuß (58) hat gegen die Präsentation des "Stadtwirtschaft"-Konzepts gestimmt.  © Haertelpress

AfD-Stadtrat Ronald Preuß (58) hat aus anderen Gründen für die Verschiebung gestimmt: "Es ist ein Riesenprojekt, das den ganzen Sonnenberg betrifft." Angesichts des knappen Krisen-Haushalts müsse es andere Prioritäten geben.

Dietmar Berger (69, Linke) hält dagegen: "Die Fördermittel des Bundes sind in Aussicht gestellt. Durch die Verzögerung können sie gefährdet sein." Für das Projekt ist eine Förderung von 3,5 Millionen Euro geplant, die Hälfte der Gesamtkosten.

Wann die Diskussion im Stadtrat nachgeholt wird, ist laut Bürgermeister Stötzer noch unklar.

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Doch das Projekt "Ehemalige Stadtwirtschaft" ist nicht das einzige, das aus Geldnot auf der Kippe steht. "Vieles, was angefangen wurde, müssen wir erst mal fertigstellen, bevor wir uns Gedanken um Neues machen können", so OB Sven Schulze (49, SPD).

An einigen Herzensprojekten wollen die Stadtrats-Fraktionen dennoch festhalten. So will sich Stadtrat Jörg Vieweg (49, SPD) weiter für die Umgestaltung des Grundschul-Vorplatzes in Hilbersdorf starkmachen. Volker Dringenberg (49, AfD) sieht Sanierungen von Straßen und Brücken in Gefahr.

Susanne Schaper (42, Linke) ist eine Basisfinanzierung der freien Kultur wichtig. Ines Saborowski (53, CDU) sind Straßenbau-, Sport- und Schulthemen ein Anliegen.

Titelfoto: Sven Gleisberg, Uwe Meinhold

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