Dürre, Hitze, Hochwasser: So will sich Chemnitz vor den Klimafolgen schützen

Chemnitz - Mit dem Klimawandel könnten Wetterextreme häufiger werden, vermuten Experten. Das zeigte sich zuletzt an den heftigen und tragischen Überschwemmungen im Westen Deutschlands. So reagiert Chemnitz auf die Klimafolgen.

Oh, Du schöner Kappelbach! Sein in den letzten Jahren umgestalteter Uferbereich kann aber mehr, als nur toll aussehen.
Oh, Du schöner Kappelbach! Sein in den letzten Jahren umgestalteter Uferbereich kann aber mehr, als nur toll aussehen.  © Kristin Schmidt

Rückblick: 1979 fand in Genf als Reaktion auf den extrem gestiegenen Anteil von Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Atmosphäre die erste Weltklimakonferenz statt. Das Treibhausgas-Plus sorgt für höhere Temperaturen.

Auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris wurde die CO2-Verringerung – möglichst auf null – sowie eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius beschlossen.

Chemnitz hadert damit. "2018 waren es 5,7 Tonnen CO2 pro Einwohner. Allein 0,5 Tonnen sind dem überörtlichen Verkehr geschuldet", so eine Stadtsprecherin zu den letzten Werten. Das hiesige Ziel sind aber 2,5 Tonnen CO2 pro Kopf.

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"Die derzeitigen Maßnahmen sind zu wenig. Die Stadt müsste eigentlich so schnell wie möglich einen Klimaneutralitätspakt aufstellen", sagt Uwe Grüner, Mitbegründer von "Parents For Future Chemnitz".

Denn auch die Chemnitzer Temperaturen steigen.

Temperaturen in Chemnitz steigen

0,5 Tonnen CO2 verursacht jeder Chemnitzer mit seinem überörtlichen Verkehr.
0,5 Tonnen CO2 verursacht jeder Chemnitzer mit seinem überörtlichen Verkehr.  © Kristin Schmidt
Uwe Grüner, Mitbegründer von "Parents For Future Chemnitz", macht sich für das Klima stark.
Uwe Grüner, Mitbegründer von "Parents For Future Chemnitz", macht sich für das Klima stark.  © Maik Börner

Nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den letzten zehn Jahren um etwa 1 Grad Celsius (2011: 9,3 Grad, 2020: 10,2 Grad). Um Hitzefolgen vorzubeugen – die Zeit von 2017 bis 2020 galt als Dürreperiode –, gab die Stadt vor einem Jahr eine Studie in Auftrag. Die Stadtsprecherin: "Dieser Hitzeaktionsplan ist aktuell noch in Arbeit, eine Verschattungsanalyse gehört auch dazu."

Auch Hitzeglocken-Vermeidung – die örtliche Ballung von heißer Luft – ist Ziel.

"Am Pleißenbach entsteht ein neuer Grünzug. Auch die abschnittsweise Renaturierung vom Kappelbach verbessert die Durchlüftungsverhältnisse", heißt es zu Maßnahmen des Masterplans Stadtnatur.

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Die Stadt pflanzt nach einigen dürrebedingten Abholzaktionen vermehrt Klimawandel-verträglichere Bäume wie Platanen. "Gerade hier ist es jedoch wünschenswert, wenn Bürgerinnen und Bürger Patenschaften übernehmen und bei entsprechenden Wetterlagen beim Gießen helfen", so das Grünflächenamt.

"Mit Kanistern ist das aber schwierig und die Bürokratie, dass Bürger Gießsäcke bekommen können, ist zu viel", weiß Uwe Grüner, der auch in der "AG Baumschutz" des Umweltzentrums aktiv ist.

Der Terra-Nova-Campus ist zwar schon etwas grün, hat aber noch viel mehr Saugpotential, findet der Umweltaktivist.
Der Terra-Nova-Campus ist zwar schon etwas grün, hat aber noch viel mehr Saugpotential, findet der Umweltaktivist.  © Maik Börner

Er mag das Schwammstadt-Konzept: "Es bedeutet, dass Flächen, wie am Terra-Nova-Campus oder auf dem Bahnhofsvorplatz, entsiegelt werden. So ist mehr Platz für Grün, aber auch Versickerungsflächen."

Letztere können Überflutungen vorbeugen sowie für mehr Grund- und potenzielles Trinkwasser sorgen.

Titelfoto: Montage: Kristin Schmidt, Maik Börner

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