Freunde in der Not: Wie Chemnitz in Krisenzeiten Städte-Partnerschaften pflegt

Chemnitz/Ústí nad Labem/Düsseldorf/Manchester- Stärkt oder schwächt die Pandemie die Chemnitzer Städtepartnerschaften? Corona legte die regulären Delegations-Reisen oftmals aufs Eis. Immerhin startet bald eine Hilfslieferung ins ferne Afrika.

Verträumt eingeschneit - aber nicht allein in der Welt: Chemnitz hat ein Dutzend Partnerstädte, mit Arras und Mulhouse sogar gleich zwei in Frankreich.
Verträumt eingeschneit - aber nicht allein in der Welt: Chemnitz hat ein Dutzend Partnerstädte, mit Arras und Mulhouse sogar gleich zwei in Frankreich.  © Kristin Schmidt

In nächster Nähe, knapp 140 Kilometer entfernt, blieb die Pandemie-Kooperation aus. "Es gab hier keine direkte Zusammenarbeit. Wir verfolgen aber gespannt die Nachrichten und stehen in Kontakt mit unseren Partnern in Chemnitz", sagt Tomáš Vlach, stellvertretender Oberbürgermeister von Ústí nad Labem.

Die nordtschechische Stadt mit rund 93.000 Einwohnern hat seit 1970 eine Freundschaft mit Chemnitz - eine große Party zum 50-Jährigen fand 2020 aber nicht statt. Tschechien, wie auch Sachsen, wurde schwer von der zweiten Corona-Welle erwischt.

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens, Düsseldorf, wurde 1988 Partner des damaligen Karl-Marx-Stadt. Und wählte wie Chemnitz im Oktober einen neuen OB - Stephan Keller (50, CDU).

Er soll am Donnerstag sein Chemnitzer Pendant Sven Schulze (49, SPD) kennenlernen. "Die Corona-Pandemie und die jeweiligen Bewältigungsansätze der Kommunen stehen auf der Gesprächsagenda der ersten Videokonferenz der beiden Stadtspitzen am 28. Januar", so eine Düsseldorfer Sprecherin.

Immerhin konnten im Oktober 30 Chemnitzer für ein Bürgerbegegnungsprojekt nach Düsseldorf reisen.

Ist ähnlich frisch auf seinem Posten wie andere Partnerstadtoberhäupter: der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (49, SPD).
Ist ähnlich frisch auf seinem Posten wie andere Partnerstadtoberhäupter: der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (49, SPD).  © Igor Pastierovic
Wird die Zusammenarbeit mit Manchester schwieriger? Laut OB Tommy Judge wird es trotz Brexit wie gewohnt weitergehen. (Bildmontage)
Wird die Zusammenarbeit mit Manchester schwieriger? Laut OB Tommy Judge wird es trotz Brexit wie gewohnt weitergehen. (Bildmontage)  © Shahid A. Khan/123RF/Stadt Manchester
Nah, aber in Bezug auf Corona irgendwie doch fern: Tomáš Vlach, einer der stellvertretenden Oberbürgermeister von Ústí nad Labem, übt Kritik.
Nah, aber in Bezug auf Corona irgendwie doch fern: Tomáš Vlach, einer der stellvertretenden Oberbürgermeister von Ústí nad Labem, übt Kritik.  © Stadt Ústí nad Labem

Brexit soll Freundschaft mit Manchester nichts anhaben

Nur gucken, nicht anfassen: Am Donnerstag soll das erste Treffen des Chemnitzer Oberbürgermeisters mit seinem Düsseldorfer Amtskollegen Stephan Keller (50, CDU) stattfinden.
Nur gucken, nicht anfassen: Am Donnerstag soll das erste Treffen des Chemnitzer Oberbürgermeisters mit seinem Düsseldorfer Amtskollegen Stephan Keller (50, CDU) stattfinden.  © Landeshauptstadt Düsseldorf

Auch das englische Manchester, seit 1983 "sister city" und wie Chemnitz eine ehemalige Hochburg der Industrialisierung, hat seit Oktober mit Tommy Judge ein neues Stadtoberhaupt. "Manchester und Chemnitz haben Solidaritätsbriefe ausgetauscht.

Auch vorherige gemeinsame Projekte liefen weiter", ließ der "lord mayor" mitteilen. Weder Corona noch der zum Jahresbeginn vollzogene Brexit sollen die Beziehungen beeinträchtigt haben - jedoch muss der gemeinsame Austausch nun ohne EU-Mittel fortgesetzt werden.

Freuen kann sich indes Timbuktu, eine rund 55.000 Einwohner starke Oasenstadt im von Bürgerkrieg und Terror geplagten Mali. "Es ist eine Lieferung von Hilfsmaterial wie Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel in Vorbereitung.

Sie wird demnächst versendet", sagt eine Chemnitzer Stadtsprecherin. Die früher bedeutende Handelsstadt am Rande der Sahara ist seit 1968 Partnerstadt von Chemnitz.

"Mit fernen Städten wie Timbuktu, Akron (USA) und Taiyuan (China) ist es schwieriger, in regelmäßiger Verbindung zu bleiben. Von Tampere (Finnland), Łódź (Polen), Wolgograd (Russland) und Ljubljana (Slowenien) haben wir 2020 sogar Besuch erhalten", so die Sprecherin weiter.

Sieben Mitarbeiter im OB-Büro betreuen die insgesamt 12 Partnerstädte.

Titelfoto: Kristin Schmidt/Igor Pastierovic

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