Hier wird heute schon an morgen gedacht: Drei Gemeinden, drei Ideen!

Stollberg/Zwönitz/Schkeuditz - Was muss man tun, damit die eigene Stadt auch in Zukunft attraktiv und lebenswert ist? Bürgermeister und Räte aus Sachsen verfolgen verschiedene Visionen, um ihre Kommune nachhaltig auf die kommenden Jahrzehnte einzustellen.

Bürgermeister Marcel Schmidt (Freie Wähler) will Stollberg beruhigen. Auf dem Dach des neuen Einkaufmarkts wartet ein Park.
Bürgermeister Marcel Schmidt (Freie Wähler) will Stollberg beruhigen. Auf dem Dach des neuen Einkaufmarkts wartet ein Park.  © Klaus Jedlicka/Stadtverwaltung Stollberg/123RF

Es gibt da die unterschiedlichsten Ansätze, etwa die Schnecke, das Smartphone oder den Apfel.

Die entschleunigte Stadt

Während die ganze Welt wegen der Corona-Krankheit runtergefahren wird, hat sich Stollberg das Abbremsen bereits im Vorjahr auf die Fahnen geschrieben.

Bürgermeister Marcel Schmidt: "In Zukunft geht es vielleicht nicht um das Höher, Schneller, Weiter und maximale Effizienz, sondern um Zufriedenheit, Ausgeglichenheit, Glücksempfinden."

So bewirbt sich Stollberg als erste sächsische Stadt um die Mitgliedschaft in der Cittàslow-Bewegung (weltweit 240 Städte). Die will der "Amerikanisierung" oder Gleichmacherei der Städte entgegenwirken - regionale Hersteller statt Franchise-Ketten.

Der Rathaus-Chef: "Ich verstehe unseren Ratsbeschluss als eine Art Grundgesetz für die weitere Stadtgestaltung." Wird bei der Straßensanierung aus Sicht der Fußgänger und Radfahrer geplant? Ist der Neubau ökologisch nachhaltig? Der neue Aldi bekam immerhin ein begrüntes Dach mit Spielplatz.

Martin Benedict organisiert für Zwönitz einen smarten Nahverkehr.
Martin Benedict organisiert für Zwönitz einen smarten Nahverkehr.  © Sven Gleisberg

Die smarte Stadt

Das benachbarte Zwönitz rutschte als sächsischer Vertreter in das bundesweite Förder- und Forschungsprogramm "Smart Cities". In den kommenden sieben Jahren sollen digitale Strategien für das Stadtleben der Zukunft entworfen und erprobt werden. So steckt eine Zwönitz-App für Beteiligungs-Prozesse oder Umfragen in der Planungsphase.

Ein ehrgeiziges Ziel dabei ist die Umstellung auf smarte Mobilität: Bis Dezember 2021 sollen 80 Prozent der Einwohner auch in allen Ortsteilen maximal 600 Meter von einer Haltestelle entfernt wohnen. Dazu wird ein Elektro-Kleinbus "Erzmobil" angeschafft, den die Leute über die App an ihre Haltestelle bestellen. Dann schaffen sie es rechtzeitig zum Bahnhof, wo sich gerade Bahn und Linienbus treffen.

Martin Benedict, Leiter des Projektes: "Damit können wir den Leuten ermöglichen, das Auto auch mal stehen zu lassen. Wir lösen damit Probleme, die viele Einwohner wirklich haben."

Immer genug Futter auf dem Spielplatz - fast ein Schlaraffenland.
Immer genug Futter auf dem Spielplatz - fast ein Schlaraffenland.  © imago images/Cavan Images

Die essbare Stadt

Dem Schkeuditzer Stadtrat wurde dieser Tage ein Konzept vorgetragen, welches das Gemeinwohl stärkt und dabei ökonomisch, ökologisch und sozial ist. Auf Grünflächen wie dem Stadtpark oder am Friedhof sollen statt Hecken und Büschen vornehmlich Fruchtgehölze angebaut werden. Patrick Schakel (SPD): "Die Flächen können nachhaltig, produktiv und gemeinschaftsfördernd genutzt werden."

Die Idee ist in Sachsen gar nicht mehr so neu. So haben sich bereits in Zwickau und Leipzig entsprechende Vereine gegründet, welche die Patenschaft über verschiedene Grünflächen übernahmen. Auch in Radeberg, Bautzen und Blasewitz gibt es Initiativen.

Schakel: "Man kann Artenvielfalt in die Stadt bringen, aber auch alte Kultursorten erhalten." 

Titelfoto: Klaus Jedlicka/Stadtverwaltung Stollberg/123RF, imago images/Cavan Images

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