In Chemnitz startet das Sommersemester, aber hingehen darf niemand

Chemnitz - Am Montag beginnen an den Unis die ersten Lehrveranstaltungen des Sommersemesters - aber nur online. Denn durch die Corona-Krise verlagern die Hochschulen ihr Angebot ins Netz. Die TU Chemnitz sieht sich gut aufgestellt. Studentenvertreter warnen jedoch vor Benachteiligungen.

Leergefegter TU-Campus vor der Mensa in der Reichenhainer Straße: Durch die Verlagerung der Uni ins Netz und die Ausgangsauflagen in Sachsen findet der Start des Sommersemesters nur digital statt.
Leergefegter TU-Campus vor der Mensa in der Reichenhainer Straße: Durch die Verlagerung der Uni ins Netz und die Ausgangsauflagen in Sachsen findet der Start des Sommersemesters nur digital statt.  © Maik Börner

"Wir sind derzeit mit einer Bandbreite von 50 Gigabit pro Sekunde an das Deutsche Forschungsnetz angeschlossen. Genutzt werden im Durchschnitt, auch derzeit im Stand-by-Betrieb, rund 5 bis 10 Prozent dieser Bandbreite. Unser Universitätsrechenzentrum rechnet aber mit 10 bis 20 Prozent mehr Datenverkehr", so TU-Sprecher Mario Steinebach (55). Von rund 50 Terrabyte Gesamtvolumen für das Sommersemester 2020 gehen die TU-Experten diesmal aus, ein "Normalsemester" kommt auf 40 Terrabyte.

Doch das sind nur die Kapazitäten der TU, nicht alle ihre Studenten weilen in der Stadt und sind über WLAN oder Studentenwohnheime an das Uni-Internet angeschlossen. "Nicht jeder hat eine besonders gute Internetverbindung oder die nötige technische Ausrüstung zu Hause, wodurch es zu großen Benachteiligungen kommen wird. 

Die Infrastruktur ist bereits in Nicht-Krisenzeiten unzureichend - für solche Phasen, in den fast alles online ablaufen muss, ist sie es erst recht", sagen Paul Senf (22) und Lukas Eichinger (23) von der "Konferenz Sächsischer Studierendenschaften".

"Nichtsemester" abgelehnt

Sie fordern mehr Flexibilität: "Es darf keine Zwänge - auch nicht finanzielle - geben, Prüfungen ablegen oder an Lehrveranstaltungen teilnehmen zu müssen. Wer nicht dem Studium nachkommen kann, darf keine Nachteile haben." Die bundesweit von Uni-Mitarbeitern und Studenten erhobene Forderung nach einem "Nichtsemester", also unbefristete Lohnfortzahlung und keine Pflichtprüfungen während der Pandemiezeit, hatte die sächsische Landesrektorenkonferenz bereits abgelehnt.

An den deutschen Universitäten und Hochschulen sind laut Experten rund 85 Prozent der Lehrenden und Forschenden prekär beschäftigt. Oftmals erhalten Mitarbeiter ohne Doktortitel oder vergleichbaren Abschluss nur befristete Verträge für ein Semester mit mehr oder weniger Aussicht auf Verlängerung.

"An der TU Chemnitz erfolgten und erfolgen Vertragsverlängerungen - wie von Lehrkräften - weiterhin auf Antrag durch die Fachvorgesetzten", führt Sprecher Steinebach auf TAG24-Nachfrage aus.

Auch den Studenten fallen durch die Coronakrise viele Erwerbsmöglichkeiten - wie Nebenjobs im Gastro- oder Messebereich - weg.

Dadurch steigen für sie aber auch die Chancen, sich erfolgreich für die finanzielle Unterstützung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) zu bewerben. Für TU-Studis bietet das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau kostenlose BAföG-Beratungen per Telefon oder E-Mail.

Die TU Chemnitz ist auf die gesteigerte Online-Nachfrage eingestellt, so Pressesprecher Mario Steinebach (55).
Die TU Chemnitz ist auf die gesteigerte Online-Nachfrage eingestellt, so Pressesprecher Mario Steinebach (55).  © TU Chemnitz/Jacob Müller
Studenten sollen in diesem Semester nicht benachteiligt werden, fordert Lukas Eichinger (23).
Studenten sollen in diesem Semester nicht benachteiligt werden, fordert Lukas Eichinger (23).  © Linus Walter
An der TU Chemnitz sind derzeit rund 10.400 Studenten eingeschrieben. Mehr als 800 digitale Lehrveranstaltungen werden ab Montag angeboten. Kurse mit körperlicher Anwesenheit ("Präsenzveranstaltungen") können nach derzeitigem Stand frühestens ab dem 4. Mai beginnen. Das Sommersemester 2020 startete am 1. April.

Titelfoto: Maik Börner

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